Inflationserwartungen stützen türkischen Automarkt – Produktion rückläufig

20.05.2026 – 6:35 Uhr

Normalerweise lösen hohe Zinsen und geopolitische Krisen Kaufzurückhaltung aus. Der türkische Automobilmarkt zeigt sich jedoch von einer paradoxen Seite: Die Erwartung weiter steigender Preise treibt die Verbraucher derzeit in die Autohäuser. Branchenvertreter sprechen von vorgezogenen Kaufentscheidungen, da das Auto zunehmend nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als wertstabile Inflationsschutzanlage gesehen wird.

Trotz des wirtschaftlich angespannten Umfelds sanken die Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den ersten vier Monaten des Jahres nur moderat um drei Prozent auf 370.000 Einheiten. Im April schrumpfte der Markt sogar nur minimal um ein Prozent auf etwas mehr als 104.000 Fahrzeuge, wie aus aktuellen Branchendaten hervorgeht.

Während die nominalen Preise steigen, sinken die realen Preise für Autos. Laut dem türkischen Statistikinstitut TÜİK betrug die Inflation im Verkehrssegment in den ersten vier Monaten 17,73 Prozent. Viele Bestseller-Modelle verteuerten sich jedoch weit unter diesem Wert. So legte der Spitzenreiter Renault Clio im gleichen Zeitraum nur um rund 6,8 Prozent zu, der Renault Megane um 5,4 Prozent und der Toyota C-HR um 8,1 Prozent. Diese Entwicklung wird durch die aggressiven Preisstrategien der Händler befeuert, die ihre Lager noch mit unverkauften Fahrzeugen des Modelljahrs 2025 räumen müssen.

Dieser Trend zum realen Preisverfall zeigt sich auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Zwar stiegen die durchschnittlichen Listenpreise im April nominell auf 912.045 Lira, inflationsbereinigt gaben die Preise jedoch um 2,85 Prozent gegenüber dem Vormonat nach.

Ein genauerer Blick auf die Branche offenbart jedoch eine Zweiteilung. Während der Handel noch von der Inflationsflucht profitiert, macht sich die Krise in der heimischen Produktion bemerkbar. Die gesamte Autoproduktion fiel in den ersten vier Monaten um drei Prozent auf 448 428 Einheiten. Besonders drastisch war der Einbruch im Pkw-Segment: Hier ging die Fertigung um 15 Prozent auf 250 276 Stück zurück. Noch stärker fiel der Pkw-Export aus: Er brach um 27 Prozent ein.

Die Automobilhersteller begründen diesen Einbruch der Produktion mit der schwachen Nachfrage auf dem europäischen Markt, anstehenden Modellwechseln und Produktionsanpassungen. Die gesamten Exporte der Autoindustrie legten jedoch um 9 Prozent auf 13,8 Milliarden Dollar zu, was auf das starke Segment der leichten Nutzfahrzeuge zurückzuführen ist, dessen Produktion um 17 Prozent zunahm.

Für den laufenden Monat Mai rechnen Experten aufgrund einer langen Feiertagsperiode mit einem stärkeren Rückgang um etwa 15 Prozent auf rund 90.000 Einheiten. Die vollen Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf den Markt werden jedoch erst im Juni vollständig sichtbar werden.