Inflationserwartungen für 2026 in der Türkei steigen weiter – Zentralbank sieht anhaltenden Preisdruck

19.05.2026 – 7:00 Uhr

Die Inflationserwartungen für das Jahr 2026 haben sich in der Türkei laut einer Umfrage der Zentralbank erneut verschlechtert. Das geht aus der am 15. Mai veröffentlichten „Survey of Market Participants“ der türkischen Zentralbank hervor.

Demnach stieg die erwartete Verbraucherinflation zum Jahresende 2026 auf 28,94 Prozent, nach zuvor 27,53 Prozent. Auch die Prognosen für die kommenden Zeiträume wurden nach oben korrigiert: Die 12-Monats-Erwartung liegt nun bei 23,82 Prozent (zuvor 23,39 Prozent), die 24-Monats-Erwartung bei 18,43 Prozent (zuvor 18,02 Prozent).

Die Umfrage erfasst Einschätzungen von Marktteilnehmern aus Finanz- und Realwirtschaft zu wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen. Parallel dazu hatte die Zentralbank selbst am 14. Mai ihre offizielle Prognose für die Inflation zum Jahresende 2026 auf 26 Prozent angehoben. Als Gründe nannte sie unter anderem kriegsbedingte Preissteigerungen bei Energie sowie steigende Transportkosten und globale Unsicherheiten.

Zentralbankchef Fatih Karahan erklärte bei der Vorstellung des Inflationsberichts in Istanbul, dass die Inflation bis Ende 2027 auf 15 Prozent und bis Ende 2028 auf 9 Prozent sinken solle. Mittelfristig werde weiterhin ein Zielwert von 5 Prozent angestrebt.

Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass die Inflation deutlich über den Zielwerten bleibt. Im April lag die jährliche Verbraucherinflation bei 32,4 Prozent, während insbesondere die Energiepreise stark gestiegen sind.

Auch die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum wurden angepasst. Für 2026 senkten Marktteilnehmer ihre Prognose leicht auf 3,3 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen für den Wechselkurs: Für Ende 2026 wird nun ein Dollar-Lira-Kurs von 51,57 erwartet, für die kommenden 12 Monate 54,69.

Die Zentralbank betonte, dass die Inflationserwartungen bislang nicht ausreichend gesunken seien und weiterhin über den eigenen Prognosen lägen. Als Risiko gelten insbesondere mögliche Zweitrundeneffekte geopolitischer Entwicklungen. Die Geldpolitik soll daher weiterhin straff bleiben.