Inflationsausblick für die Türkei: BBVA sieht keine Entspannung

07.07.2026 – 6:30 Uhr

Die BBVA Research hat ihre Prognose für die Inflation in der Türkei zum Jahresende 2026 unverändert bei 30 Prozent bestätigt. In einer Analyse zu den Inflationsdaten vom Juni kommt die Bank zu dem Schluss, dass sich bislang keine klare Trendwende bei der Preisentwicklung abzeichnet.

Zwar hätten sich einige Frühindikatoren leicht verbessert, doch die grundlegende Inflationsdynamik bleibe weiterhin stabil hoch. Auch der sogenannte „Kerninflationstrend“ zeige bislang keine deutliche Entspannung.

Inflationsdynamik bleibt zäh

Laut BBVA Research sank der Durchschnitt mehrerer wichtiger Inflationsindikatoren im Juni nur leicht – von 2,18 Prozent auf 2,05 Prozent im Monatsvergleich. Gleichzeitig habe sich die Dreimonatsdurchschnittsrate mit 2,26 Prozent kaum verändert. Dies deute darauf hin, dass der Disinflationsprozess weiterhin an Schwung fehle.

Auch die Medianinflation ging zwar leicht auf 1,93 Prozent zurück, blieb im Dreimonatsdurchschnitt jedoch mit 2,12 Prozent auf dem höchsten Niveau seit Mai 2025. Insgesamt zeigten die Daten keine wesentliche Verbesserung bei der sogenannten „zugrundeliegenden Inflation“.

Risiken für die weitere Entwicklung

BBVA Research weist zudem auf mehrere Risiken für den weiteren Inflationsverlauf hin. Dazu zählen vor allem nicht vollständig verankerte Inflationserwartungen sowie eine weiterhin starre Preisbildung im Markt.

Zwar hätten die Verschiebung geplanter Steuererhöhungen auf Kraftstoffe sowie sinkende globale Energiepreise kurzfristig entlastend gewirkt, doch strukturelle Probleme blieben bestehen.

„Die noch nicht verankerten Inflationserwartungen, die chronische Starrheit der Preisbildung und die ungünstige Entwicklung der Kerninflation bleiben die größten Hindernisse im Disinflationsprozess“, so die Einschätzung der Analysten.

Geldpolitik und Zinsausblick

Im Bereich der Geldpolitik erwartet BBVA einen vorsichtigen Kurs der türkischen Zentralbank. Eine schnelle Lockerung der Geldpolitik könnte demnach die Inflationsbekämpfung gefährden. Stattdessen sei mit schrittweisen und vorsichtigen Zinssenkungen zu rechnen.

Für den Leitzins sieht die Bank einen möglichen Jahresendwert von rund 37 Prozent, wobei nur begrenzter Spielraum für stärkere Senkungen bestehe – abhängig von der weiteren Inflationsentwicklung.

Energiepreise als möglicher Entlastungsfaktor

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt die Entwicklung der Rohölpreise. Sollte der Brent-Preis im Bereich von 70 bis 75 US-Dollar pro Barrel bleiben, könnte dies die Inflation zum Jahresende um etwa einen Prozentpunkt senken.

Allerdings könnte dieser positive Effekt laut BBVA teilweise durch steigende Kosten im Gesundheitssektor wieder ausgeglichen werden, in dem zuletzt deutliche Preissteigerungen beobachtet wurden.