Inflation in der Türkei zieht im Juli wieder an – Gesundheitskosten treiben Preise nach oben

04.08.2026 – 15:00 Uhr

Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im Juli stärker gestiegen als noch im Juni. Laut dem Türkischen Statistikamt (TÜİK) erhöhte sich die monatliche Inflationsrate auf 1,78 Prozent, nachdem sie im Juni noch bei 0,99 Prozent gelegen hatte.

Im Jahresvergleich setzte sich dagegen der zuletzt beobachtete Rückgang der Teuerungsrate fort. Die jährliche Inflation sank von 32,11 Prozent im Juni auf 31,75 Prozent im Juli. Damit lag sie leicht unter den Erwartungen von Analysten, die im Durchschnitt mit 31,86 Prozent gerechnet hatten. Für die monatliche Entwicklung war ein Anstieg um 1,87 Prozent prognostiziert worden.

Die Kerninflation, bei der besonders schwankungsanfällige Preisbestandteile ausgeklammert werden, erhöhte sich im Juli leicht auf 29,91 Prozent.

Den stärksten monatlichen Preisanstieg verzeichnete der Bereich Gesundheit mit 10,74 Prozent. Laut der Statistikbehörde leistete dieser Bereich einen spürbaren Beitrag zur Gesamtinflation. Ebenfalls deutlich verteuerten sich Verkehrsdienstleistungen mit 2,59 Prozent. Die Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke stiegen um 1,61 Prozent, während die Kosten für Wohnen sowie Wasser, Strom, Gas und weitere Energiekosten um 2,25 Prozent zunahmen.

Im Jahresvergleich gehörten die Bereiche Wohnen, Energie und Versorgungsleistungen mit einem Plus von 40,32 Prozent zu den stärksten Preistreibern. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 37,53 Prozent und die Preise im Verkehrsbereich lagen 30,83 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Von den insgesamt 174 erfassten Untergruppen des Verbraucherpreisindexes verzeichneten im Juli 117 einen Preisanstieg. In 50 Untergruppen gingen die Preise zurück, während sich in sieben Bereichen keine Veränderungen ergaben.

Auch bei den Erzeugerpreisen setzte sich der Anstieg fort, fiel im Jahresvergleich jedoch etwas schwächer aus. So stieg der Erzeugerpreisindex im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,52 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Anstieg 27,83 Prozent nach 28,09 Prozent im Juni.

Bereits im Vorfeld hatte die türkische Zentralbank auf eine vorübergehende Beschleunigung der Inflation im Juli hingewiesen. In der Zusammenfassung ihrer jüngsten Zinssitzung erklärte sie, dass saisonbereinigte Daten insbesondere bei den Dienstleistungspreisen auf einen stärkeren Anstieg hindeuten. Als wesentliche Faktoren nannte die Notenbank höhere Gesundheitskosten, steigende Gemüsepreise sowie wieder anziehende Energiepreise, die unter anderem durch höhere Kraftstoff- und Stromkosten beeinflusst wurden.

Auch andere Frühindikatoren hatten bereits auf eine stärkere Preisdynamik hingedeutet. Laut Daten der Industrie- und Handelskammer Istanbul stieg der Verbraucherpreisindex der Metropole im Juli um 2,06 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 35,20 Prozent im Jahresvergleich.

Der Gewerkschaftsbund TÜRK-İŞ meldete zudem einen Anstieg der sogenannten Kücheninflation. Demnach erhöhten sich die Kosten für Lebensmittel im Juli um 3,30 Prozent gegenüber dem Vormonat. Für einen Vierpersonenhaushalt in Ankara bezifferte die Organisation die Armutsgrenze zuletzt auf 120 325 Türkische Lira, die Hungergrenze lag bei 36 940 Lira.