Inflation in der Türkei auf Vier-Jahres-Tief – Doch die Zentralbank bleibt hart

16.12.2025 – 6:35 Uhr

Die Inflationserwartungen in der Türkei haben sich leicht abgeschwächt. Laut der jüngsten Umfrage der türkischen Zentralbank unter Marktteilnehmern vom 12. Dezember rechnen diese nun mit einer Jahresinflationsrate von 31,17 Prozent zum Ende des Jahres 2025; im Vormonat lag diese Erwartung noch bei 32,2 Prozent.

Auch die längerfristigen Prognosen gingen leicht zurück: Die Erwartung für die Inflation in zwölf Monaten sank von 23,49 auf 23,35 Prozent. Der Blick auf 24 Monate im Voraus fiel mit 17,45 Prozent ebenfalls etwas niedriger aus als zuvor (17,69 Prozent).

Diese vorsichtige Entspannung folgt auf aktuelle amtliche Daten. So sank die jährliche Verbraucherpreisinflation im November auf 31,07 Prozent – den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Die monatliche Teuerungsrate lag bei 0,87 Prozent und erreichte damit ein 30-Monats-Tief.

Zentralbankchef warnt vor voreiliger Entwarnung

Trotz dieser positiven Tendenzen gibt die türkische Zentralbank (CBRT) keine Entwarnung. Ihr Gouverneur Fatih Karahan bekräftigte am Donnerstag auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsverbands TÜSİAD, dass die Preisstabilität weiterhin höchste Priorität habe. „Die Disinflation ist im Gange und wird andauern“, sagte Karahan.

Er betonte, dass sowohl kurzfristige Indikatoren als auch die mittelfristige Aussicht auf einen anhaltenden Abwärtstrend bei der Inflation hindeuten. „Um die Beständigkeit dieses Rückgangs zu gewährleisten, werden wir unsere restriktive Geldpolitik beibehalten.“

Reserven stark aufgestockt, umstrittenes Anlageinstrument abgebaut

Karahan nannte drei Schwerpunkte der Geldpolitik: die Stärkung der Währungsreserven, den Abbau der sogenannten währungsgeschützten Einlagen (KKM) und die Herstellung von Preisstabilität.

Die Nettoreserven der Bank wurden demnach um mehr als 120 Milliarden US-Dollar erhöht. Das Volumen der KKM-Konten – ein Instrument zur Stützung der Landeswährung Lira – wurde von einem Höchststand von 143 Milliarden US-Dollar auf unter eine Milliarde US-Dollar gesenkt.

Die wichtigste Aufgabe bleibt jedoch die Inflation. „Wir haben die Disinflation in Gang gesetzt. Um diese Verbesserung dauerhaft zu sichern, werden wir unseren restriktiven geldpolitischen Kurs beibehalten“, schloss Karahan seine Ausführungen.