IATA-Prognose: Airlines erwarten 2026 mehr Passagiere, aber nur halb so hohe Gewinne

13.06.2026 – 15:00 Uhr

Der globale Luftverkehr steuert im Jahr 2026 auf ein Paradoxon zu. Noch nie waren so viele Passagiere unterwegs, doch die Gewinne der Fluggesellschaften brechen dramatisch ein. Grund dafür sind vor allem die eskalierenden Kosten für Treibstoff und geopolitische Verwerfungen, wie der Weltverband IATA am Sonntag mitteilte.

Demnach werden die 370 Mitgliedsfluggesellschaften der IATA, die 85 Prozent des weltweiten Luftverkehrs abdecken, in diesem Jahr voraussichtlich 5,1 Milliarden Passagiere befördern. Das ist ein Plus von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt die Zahl deutlich über der Marke von vier Milliarden Fluggästen, die 2023 erstmals geknackt wurde.

Doch das Wachstum hat seinen Preis. Während der Gesamtumsatz der Branche um neun Prozent auf 1,165 Billionen US-Dollar steigen soll, schrumpft der Nettogewinn von 45 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf nur noch 23 Milliarden US-Dollar. Die Marge fällt damit von 4,2 auf 2,0 Prozent.

Besonders hart trifft es die Fluggesellschaften im Nahen Osten, die direkt unter den kriegsbedingten Störungen in der Region leiden und Verluste einfahren werden. IATA-Generaldirektor Willie Walsh erklärte dazu: „Die kriegsbedingten Störungen im Nahen Osten und steigende Treibstoffkosten haben die Aussichten für die Airlines verschlechtert.“

Trotz der düsteren Zahlen wollte er die Lage jedoch nicht mit dem pandemiebedingten Einbruch von 2020/2021 vergleichen. „Ich sehe darin keine Krise“, sagte er vor Journalisten in Dubai. Die Branche prognostiziere weiterhin Wachstum. Ohne den Nahost-Effekt läge der Zuwachs sogar bei 3,5 Prozent.

Zwar werden die gestiegenen Treibstoffkosten teilweise über höhere Ticketpreise an die Kunden weitergegeben, doch für die Aktionäre und die finanzielle Stabilität der Airlines bleibt wenig übrig. Laut der IATA beträgt der Nettogewinn pro Passagier nur noch 4,50 Dollar – halb so viel wie 2025.

Walsh kommentierte dies mit bitterer Ironie: „Unter diesen Umständen zeugt das von Widerstandsfähigkeit.“ Aber dafür bekommt man an den meisten Stadien der FIFA-Weltmeisterschaft nicht einmal einen Hotdog. Und es bleibt nicht viel Puffer, falls andere Kosten oder Steuern steigen.“ Die Branche steht somit vor der Herausforderung, trotz voller Flugzeuge eine existenzsichernde Profitabilität zu erreichen.