Hoffnung auf billiges Geld zerschlagen: Nahost-Konflikt lässt türkische Zinssenkungsträume platzen

04.03.2026 – 13:00 Uhr

Die steigenden Ölpreise als Folge der Eskalation im Nahen Osten überschatten zunehmend die geldpolitischen Aussichten mehrerer Volkswirtschaften. Auch in der Türkei sinken die Erwartungen an eine erneute Zinssenkung durch die Zentralbank in der kommenden Woche. Angesichts der jüngsten Entwicklungen rechnen Analysten nun überwiegend mit einer Pause im Lockerungszyklus.

Die Zentralbank der Republik Türkei (CBRT) hatte auf ihrer Sitzung am 22. Januar den Leitzins überraschend von 38 auf 37 Prozent gesenkt – ein vergleichsweise moderater Schritt, der hinter den Erwartungen vieler Ökonomen zurückblieb. Bereits damals deutete sich eine vorsichtigere Gangart an. Nun, vor der zweiten Ratssitzung des Jahres am 12. März, verdichten sich die Anzeichen, dass die Währungshüter um Gouverneur Fatih Karahan die Füße stillhalten werden.

Auslöser ist der militärische Konflikt, insbesondere der US-amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran. Die dadurch ausgelöste Verteuerung des Rohöls schürt neue Inflationsängste. „Wäre da nicht der Krieg, hätten wir im März mit einer begrenzten Senkung um 100 Basispunkte rechnen können”, kommentierte Onur Can Bal von Gedik Investment Advisory. „Angesichts der jüngsten Entwicklungen erwarte ich nun eine Pause.”

Große Finanzinstitute haben ihre Prognosen bereits angepasst. So rechnet die US-Bank JPMorgan für die kommende Woche mit einem unveränderten Leitzins von 3,7 Prozent. Auch die niederländische ING Bank geht in einer aktuellen Analyse von einem vollständigen Stopp der Lockerungen im März aus. Sie betont, der Fokus der Notenbank liege nun vorrangig auf der Stabilisierung des Wechselkurses.

Die türkischen Märkte haben diese Neuausrichtung bereits vorweggenommen. Zu Wochenbeginn verzeichneten Bankaktien die stärksten Verluste im BIST-100-Index, nachdem die Hoffnung auf eine verbilligte Geldpolitik im März zunichte gemacht wurde. Noch vor der jüngsten Eskalation hatten die Inflationsdaten für Februar mit einem Anstieg von drei Prozent Spekulationen über eine Senkung um 50 bis 100 Basispunkte befeuert.

Die CBRT selbst hatte bereits auf die Krise reagiert und unter der Woche neue Maßnahmen ergriffen. Um die Liquidität zu steuern und Volatilität zu verhindern, wurden unter anderem die einwöchigen Repo-Auktionen ausgesetzt und neue Termingeschäfte in Lira eingeführt. Çağlar Toros, Stratege bei Info Investment, interpretiert diesen Schritt als „verdeckte Zinserhöhung”, die die Erwartung einer Zinspause weiter untermauere.

Experten zufolge handelt es sich jedoch eher um eine Verschiebung als um eine grundsätzliche Abkehr von der Lockerungspolitik. Altan Aydın, Portfoliomanager bei Perform Portföy, wies darauf hin, dass ein Anstieg der Ölpreise um zehn Prozent die heimische Inflation üblicherweise um etwa einen Prozentpunkt verteuere. Sollte sich der Rohölpreis in der zweiten Jahreshälfte jedoch bei etwa 60 Dollar einpendeln, wäre der Effekt begrenzt. „Dies ist eher eine Verzögerung als eine Trendwende. Ich erwarte, dass der Zinssenkungszyklus im Laufe des Jahres 2026 fortgesetzt wird“, so Aydın.