Hauskauf per Instagram? Türkei erlaubt Maklern Social-Media-Inserate – und warnt vor Betrügern

16.08.2026 – 12:00 Uhr

Der türkische Immobilienmarkt öffnet sich offiziell für die sozialen Netzwerke, doch Experten schlagen Alarm. Zwar erlauben neue staatliche Regelungen lizenzierten Maklern, Immobilien auf Plattformen wie Instagram oder Facebook zu bewerben, doch Verbraucherschützer warnen eindringlich vor anhaltendem Betrug und digitalen Fallen.

Wie das Handelsministerium in Ankara mitteilte, dürfen zertifizierte Immobilienbüros ab sofort Fotos, Videos, Preise und Objektdetails in den sozialen Medien veröffentlichen. Voraussetzung ist jedoch, dass jeder Beitrag direkt mit einem offiziellen „verifizierten Inserat“ verknüpft ist. Die Freigabe hierfür muss der Eigentümer zuvor über das staatliche E-Devlet-Portal erteilt haben. Die Inhalte der Social-Media-Posts müssen exakt mit den Daten des verifizierten Inserats übereinstimmen. Bei Verstößen drohen Unternehmen Geldstrafen von bis zu 286 206 Türkischen Lira (rund 6000 US-Dollar) pro Verstoß.

Doch genau hier liegt das Problem. Branchenvertreter verweisen auf erhebliche Lücken im elektronischen Verifizierungssystem EİDS. So sind Immobilien ohne Grundbucheintrag, ausländische Objekte sowie Angebote von Genossenschaften oder Vereinen von der verpflichtenden E-Devlet-Autorisierung ausgenommen.

Mustafa Hakan Özelmacıklı, Immobilienrat bei der Industrie- und Handelskammer Istanbul (İTO), beobachtet, dass Betrüger diese Ausnahmen bereits gezielt ausnutzen. So sei die Zahl der Immobilienangebote ohne Grundbucheintrag auf einer einzigen Online-Plattform innerhalb von nur drei Monaten von rund 16.000 auf über 21.000 gestiegen.

„Soziale Medien können unter den derzeitigen Bedingungen nicht als vollständig sicher angesehen werden”, warnt Özelmacıklı. Er verweist auf anhaltende Probleme mit nicht genehmigten Bungalow-Vermietungen und Bauprojekten, die ohne Baugenehmigung vermarktet werden. „Akteure mit schlechten Absichten schalten weiterhin Anzeigen unter individuellen Profilen und agieren dabei als Makler ohne Lizenz.“

Die neuen Regeln sind Teil eines größeren regulatorischen Umbruchs in der türkischen Immobilienbranche. Sie sollen den Wildwuchs auf Online-Portalen eindämmen und für mehr Transparenz sorgen. Doch die Realität zeigt: Wo Lizenzen fehlen und Ausnahmen greifen, bleibt der digitale Markt ein riskantes Terrain für Käufer und Mieter.