Handelsminister Bolat: Wirtschaftsbeziehungen zwischen Türkei und EU auf Rekordniveau

16.04.2026 – 6:30 Uhr

Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen der Türkei und der Europäischen Union hat ein neues Rekordniveau erreicht. Wie der türkische Handelsminister Ömer Bolat am Montag in Ankara nach einem Treffen mit den EU-Botschaftern mitteilte, stieg das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2025 auf 233 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einer Verneunfachung seit dem Inkrafttreten der Zollunion im Jahr 1995, als das Volumen noch bei 26,6 Milliarden Dollar lag.

Trotz politischer Spannungen bleibt die EU damit unangefochten der wichtigste Handelspartner der Türkei. Im Gegenzug behauptet Ankara den fünften Platz in der Rangliste der größten EU-Handelspartner. Die Zahlen untermauern die starke gegenseitige Abhängigkeit der Wirtschaftsräume: Im Jahr 2025 gingen 43 Prozent der türkischen Exporte in die Europäische Union, während 32 Prozent der Importe aus der Staatengemeinschaft stammten.

„Die Türkei ist heute nicht nur eine wachsende Volkswirtschaft, sondern auch ein verlässlicher Produktions-, Liefer- und Investitionspartner für Europa”, erklärte Bolat vor den Diplomaten. Das Pro-Kopf-Einkommen in der Türkei sei zuletzt auf 18.040 Dollar gestiegen. Der Minister unterstrich die Investitionsbeziehungen mit dem Hinweis, dass europäische Unternehmen rund zwei Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei (insgesamt 286 Milliarden Dollar) halten und für etwa 1,2 Millionen Arbeitsplätze verantwortlich sind.

Streitthemen Visum und Transportquoten auf dem Tisch

Neben den wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen nutzte Minister Bolat das Treffen, um langjährige türkische Forderungen gegenüber Brüssel zu erneuern. Im Fokus standen dabei insbesondere die Aufhebung der Visumpflicht für türkische Staatsbürger und die Abschaffung von Transportquoten für Lkw-Fahrer und Spediteure. Diese Punkte gelten als chronische Belastungsproben in den Beziehungen.

Zudem erörterte Bolat die Einbindung der Türkei in neue EU-Regulierungsvorhaben. Mit Blick auf den kürzlich von der Kommission verabschiedeten „Industrial Acceleration Act” bekräftigte Bolat den Wunsch Ankaras, als Mitglied der Zollunion auch in das „Made in EU”-Projekt integriert zu werden. Gleichzeitig wies er auf bestehende Unsicherheiten bei den anstehenden Beratungen des Gesetzesentwurfs im Rat und Parlament hin.

Grüne Transformation als wirtschaftliche Herausforderung

Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Anpassung an den europäischen „Green Deal”. Bolat kündigte an, dass die Türkei in Kürze ein eigenes Emissionshandelssystem etablieren werde, um auf den von der EU eingeführten CO₂-Grenzausgleichsmechanismus zu reagieren. Das Ziel bestehe darin, negative Auswirkungen auf die türkische Industrie und den Warenverkehr so gering wie möglich zu halten. „Wir arbeiten intensiv daran, dass der Handel nicht beeinträchtigt wird”, so der Minister.

Abschließend betonte Bolat, dass die türkische Regierung unter der Führung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan weiterhin mit Nachdruck daran arbeite, die Marktchancen für türkische Exporteure in den Bereichen Industrie, Landwirtschaft und Dienstleistungen auszubauen.