Goldman Sachs: Türkische Finanzmärkte lockern sich – Zinsniveau sinkt spürbar

22.09.2026 – 6:30 Uhr

Die US-Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen in der Türkei seit Ende August deutlich gelockert haben. Auslöser sei die Rückkehr der türkischen Zentralbank zu einwöchigen Repo-Auktionen, über die Banken wieder mit Liquidität versorgt werden, wie die Strategen Clemens Grafe und Başak Edizgil in einer am Freitag veröffentlichten Analyse mitteilten.

Demnach ist der von Goldman Sachs berechnete alternative Index für die finanziellen Bedingungen in der Türkei seit Aufgabe der sogenannten Sonder-Geldpolitik um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Die Zentralbank hatte zuvor Banken über eine spezielle Overnight-Fazilität zu einem Zinssatz von 40 Prozent mit Geld versorgt und damit eine deutlich restriktivere Linie verfolgt. Nun können sich die Institute wieder über den regulären Leitzins von 37 Prozent refinanzieren.

Trotz der Beibehaltung des Leitzinses auf der vergangenen Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Zentralbank setzte sich die Lockerung der Finanzbedingungen laut den Strategen weiter fort. Sie nannten einen Liquiditätsüberschuss im Bankensystem als Grund, der die Zinsen für türkische-Lira-Einlagen sinken ließ. In der Woche bis zum 4. September fielen die Einlagenzinsen auf rund 44 Prozent. Nach Einschätzung von Goldman Sachs entspricht dieses Niveau nun weitgehend dem annualisierten Leitzins.

Im Gegensatz dazu verharren die Zinsen für Verbraucher- und Unternehmenskredite weiterhin auf deutlich höheren Niveaus. Grafe und Edizgil wiesen jedoch auf erste Anzeichen einer Entspannung auch bei den Kreditkonditionen hin. Zwar deuteten jüngste Daten auf ein nachlassendes Wachstum bei Lira-Krediten hin, das Gesamtkreditvolumen bewege sich jedoch nahe den zuletzt Mitte 2024 erreichten Werten.