Goldman Sachs: Kapitalabflüsse aus Fonds landen überwiegend auf türkischen Lira-Konten

24.09.2026 – 6:35 Uhr

Türkische Anleger haben nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Gelder während der jüngsten Fondskrise überwiegend in Lira-Einlagen umgeschichtet. Wie aus einem Bericht der Goldman-Ökonomen Clemens Grafe und Başak Edizgil hervorgeht, verzeichneten Geldmarktfonds in der Woche bis zum 11. September Mittelabflüsse in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar. In den ersten beiden Septemberwochen summierten sich die Abflüsse damit auf insgesamt vier Milliarden Dollar.

Gleichzeitig stiegen die Einlagen in türkischer Lira zum 15. September um zwölf Milliarden Dollar, wie die Ökonomen weiter mitteilten. Bereinigt um Bewertungseffekte übertraf dieser Zuwachs die Zuflüsse in Fremdwährungs- und Goldeinlagen des Bankensystems deutlich. Nach Einschätzung von Goldman Sachs deuten die Zahlen darauf hin, dass das aus den Geldmarktfonds abgezogene Kapital in Lira-Einlagen umgeleitet wurde – und dies trotz gesunkener Einlagenzinsen. Mit dem Zuwachs der vergangenen Woche beläuft sich das monatliche Gesamtwachstum der Einlagen auf rund 20 Milliarden Dollar.

Die umfangreichen Mittelabflüsse aus den Geldmarktfonds hatten zuletzt Befürchtungen ausgelöst, dass eine Flucht in den Dollar einsetzen könnte. Eine solche Entwicklung würde die türkische Lira schwächen und die Bemühungen zur Eindämmung der Inflation zusätzlich gefährden. Das kontrollierte Wechselkursregime gilt als zentraler Bestandteil der Desinflationsstrategie der türkischen Behörden.

Die offenbar erfolgte Umlenkung der Gelder in Lira-Einlagen dürfte die Sorgen der politischen Entscheidungsträger zumindest vorerst dämpfen.