ISTANBUL – Die türkische Lira könnte in den kommenden Monaten weiter an Wert verlieren. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Prognosen für den Wechselkurs Dollar/Türkische Lira nach oben korrigiert und rechnet auf Sicht von zwölf Monaten mit einem Kurs von 59 Lira je US-Dollar.
Zuvor hatte die Bank für den gleichen Zeitraum einen Wert von 54 Lira prognostiziert. Damit wurde die Zwölf-Monats-Prognose um rund 9 Prozent angehoben.
Auch kurzfristige Prognosen steigen
Auch die Erwartungen für die kommenden Monate wurden nach oben gesetzt. Goldman Sachs erhöhte seine Drei-Monats-Prognose von 48 auf 51 Lira je Dollar. Für sechs Monate wird nun ein Kurs von 53 statt zuvor 50 Lira erwartet.
Die neue Einschätzung begründen die Analysten unter anderem mit dem Zeitablauf und der derzeitigen Geschwindigkeit der monatlichen Abwertung der türkischen Währung.
Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, würde der Dollar innerhalb eines Jahres gegenüber der Lira deutlich zulegen.
Analysten sehen erhöhte Abwertungsrisiken
In einem am 21. August veröffentlichten Bericht warnten die Goldman-Sachs-Analysten um Kamakshya Trivedi vor zusätzlichen Abwärtsrisiken für die türkische Währung.
Solange es nicht zu einem deutlichen Rückgang der Energiepreise, einem starken Anstieg des Goldpreises oder einer allgemeinen Abschwächung des US-Dollars auf den Weltmärkten komme, überwögen die Risiken einer beschleunigten Abwertung der Lira.
Zudem verwiesen die Experten auf zunehmenden Druck auf die außenwirtschaftliche Bilanz und eine wachsende politische Unsicherheit im Zusammenhang mit den kommenden Wahlen. Das bestehende Wechselkursregime dürfte ihrer Einschätzung zufolge mit einem etwas höheren Tempo der Lira-Abwertung fortgeführt werden.
Goldman Sachs passt Carry-Trade-Empfehlung an
Auch ihre Handelsstrategie für sogenannte Carry Trades passte die US-Bank an. Goldman Sachs erhöhte das Kursziel für eine gleichgewichtete Long-Position in Türkischer Lira, nigerianischem Naira und kasachischem Tenge gegenüber dem US-Dollar von 7,5 auf 10 Prozent.
Gleichzeitig wurde die Stop-Loss-Marke von 1,5 auf 4 Prozent angepasst.
Für die türkische Wirtschaft bleibt damit der Wechselkurs ein wichtiger Unsicherheitsfaktor – und Goldman Sachs rechnet derzeit mit weiterem Druck auf die Lira.