Die türkische Notenbank wird ihren Leitzins voraussichtlich weit länger auf einem hohen Niveau belassen als zuletzt erhofft. Das geht aus einer aktuellen Analyse der US-Investmentbank Goldman Sachs hervor. Darin wird vor erheblichen Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität gewarnt, die sich aus den jüngsten Inflationsdaten ergeben.
Zwar sank die jährliche Teuerungsrate im Juli auf 31,8 Prozent nach 32,1 Prozent im Vormonat. Es ist der zweite Rückgang in Folge. Dennoch liegt der Wert deutlich über der offiziellen Jahresendprognose der Zentralbank von 26 Prozent. Goldman Sachs selbst rechnet mit 29 Prozent und sieht selbst diese Schätzung zunehmend unter Druck.
Als zentrale Gefahren benennen die Ökonomen Clemens Grafe und Başak Edizgil zwei Entwicklungen: Zum einen die Eskalation im Nahen Osten, die die globalen Energiepreise in die Höhe treiben könnte, und zum anderen den anhaltenden Wertverfall der türkischen Lira. Andererseits den anhaltenden Wertverfall der türkischen Lira. „Diese Risiken deuten darauf hin, dass die Zinsen länger hoch bleiben müssen”, heißt es in dem Investorenbrief.
Einen weiteren Preistreiber sehen die Analysten in der heimischen Fiskalpolitik. Die schrittweise Abschaffung der sogenannten Eşel-Mobil-Steueranpassung auf Kraftstoffe bis Oktober werde zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen.
Trotz der Eintrübung bei den Energiekosten gibt es aus Sicht der Bank auch positive Signale. So habe sich die Dynamik der Kerninflation im Juli überraschend verbessert. Der gleitende Dreimonatsdurchschnitt ist auf das Niveau des ersten Quartals zurückgefallen. Die anhaltende Schwäche im Dienstleistungssektor bleibt allerdings ein Warnsignal.
Die Notenbank steht damit vor einem geldpolitischen Dilemma: Ein zu frühes Senken der Zinsen könnte die gerade abebbende Inflationswelle neu entfachen. Dieses Szenario lässt die Mahnung von Goldman Sachs nun deutlich unwahrscheinlicher erscheinen.