Gold jagt Rekorde, Aktien stürzen ab – Handelskrieg droht über Grönland-Streit

22.01.2026 – 7:00 Uhr

Die internationalen Finanzmärkte geraten zunehmend in den Sog der eskalierenden Spannungen um Grönland. Nachdem US-Präsident Donald Trump Strafzölle gegen europäische Länder angedroht hatte, die seine Gebietsansprüche auf die autonome dänische Region ablehnen, flüchteten Anleger massiv in sichere Häfen. Der Goldpreis kletterte am Dienstag auf ein neues Allzeithoch von 4 722,76 US-Dollar je Unze, auch Silber erreichte mit 94,73 US-Dollar einen Rekordwert.

Gleichzeitig brachen die Aktienkurse in Asien und Europa ein. Die wichtigsten Börsenplätze von Tokio über Hongkong bis London, Paris und Frankfurt verzeichneten teils kräftige Verluste. Die Unsicherheit der Anleger speist sich aus der Drohung Trumps, ab dem 1. Februar zunächst zehn Prozent Zölle auf Importe aus acht Ländern – darunter Dänemark, Frankreich, Deutschland und Großbritannien – zu erheben. Diese sollen zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen. Hintergrund ist der Widerstand dieser Staaten gegen die US-Forderung, Verhandlungen über einen Kauf Grönlands aufzunehmen.

Durch diese Maßnahme wird das im Vorjahr vereinbarte Handelsabkommen zwischen den USA und der EU infrage gestellt. Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte bereits den Einsatz eines scharfen, bisher ungenutzten EU-Instruments zur Abwehr wirtschaftlicher Erpressung. US-Finanzminister Scott Bessent konterte am Montag, jegliche Vergeltungszölle der EU seien „unklug”.

Die Rhetorik verschärfte sich am Dienstag weiter: Trump drohte Frankreich mit 200-prozentigen Zöllen auf Wein und Champagner, nachdem das Land eine Einladung in seinen „Board of Peace“ zur Überwachung des Gaza-Wiederaufbaus abgelehnt hatte.

Die Angst vor einem neuen Handelskonflikt zwischen zwei der größten Wirtschaftsmächte der Welt ließ auch die Renditen von US-Staatsanleihen steigen, was auf einen Abfluss von Kapital aus US-Vermögenswerten hindeutet.

Parallel dazu belastet die Haushaltspolitik Japans die Märkte. Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat das Parlament aufgelöst und Steuersenkungen angekündigt, während ihr Kabinett einen Rekordhaushalt für das Fiskaljahr ab April 2026 billigte. Dies nährte Sorgen vor einer weiteren Verschuldung und trieb die Renditen japanischer Staatsanleihen in die Höhe.

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf das Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort wird eine Rede des US-Präsidenten erwartet. Beobachter wie Stephen Innes von SPI Asset Management sehen in dem Treffen eine entscheidende Bühne: „Ob sich die Erwachsenen wieder ins Zimmer trauen, wird darüber entscheiden, ob die Volatilität eingedämmt werden kann.“ Die eigentliche, auf die Ukraine fokussierte Agenda der Woche droht jedoch von einer noch destabilisierenden Frage überlagert zu werden: Wird das transatlantische Bündnis öffentlich einem Stresstest unterzogen?