Geopolitische Krisen als Kurstreiber: Gold und Festgeld lassen türkische Anleger jubeln

10.04.2026 – 7:00 Uhr

Während geopolitische Spannungen und Zolldrohungen die globalen Märkte in Atem halten, haben sich in der Türkei im vergangenen Jahr zwei Anlageklassen als krisenfest erwiesen: physisches Gold und Festgeldkonten. Nach Abzug der Inflationsrate zählen Goldbarren und Bankeinlagen zu den wenigen Vermögenswerten, die Anlegern in den letzten zwölf Monaten durchgängig einen realen Wertzuwachs beschert haben. Besitzer von Euro, US-Dollar und türkischen Staatsanleihen mussten hingegen deutliche Kaufkraftverluste hinnehmen.

Laut einer Auswertung der staatlichen Nachrichtenagentur AA auf Basis offizieller Inflationsdaten erzielte Gold im März dieses Jahres eine nominale Jahresrendite von 97,74 Prozent. Bereinigt um den Verbraucherpreisindex (VPI) ergibt sich damit ein realer Zuwachs von 51,1 Prozent. Damit war das Edelmetall der unangefochtene Spitzenreiter unter den Finanzinstrumenten und lieferte im gesamten Zwölfmonatszeitraum eine positive Realrendite.

Auch Anleger, die auf Festgeld setzten, konnten sich über einen Inflationsausgleich freuen. Zwar fiel der reale Ertrag mit 1,98 Prozent im März vergleichsweise moderat aus, doch ist Festgeld die einzige Anlageform, die in jedem einzelnen der vergangenen zwölf Monate eine positive Realrendite abwarf. Im März war es zudem das einzige untersuchte Instrument, das selbst auf Monatsbasis inflationsbereinigt im Plus lag.

Sicherer Hafen in unsicheren Zeiten

Marktbeobachter werten die deutliche Flucht in Gold und Zinsanlagen als direkte Reaktion auf die unsichere Weltlage. Die anhaltenden militärischen Konflikte in mehreren Weltregionen, die Ankündigung zusätzlicher Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump sowie die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China haben das Bedürfnis nach sogenannten „sicheren Häfen” massiv verstärkt. In diesem Umfeld erwiesen sich zinsbringende Bankeinlagen und physisches Edelmetall als klare Gewinner und setzten sich deutlich von Alternativen wie Devisen oder Aktienindizes ab.

Aktien, Anleihen und Devisen mit herben Verlusten

Im Gegensatz dazu fällt die Bilanz für andere gängige Anlageklassen ernüchternd aus. Der US-Dollar verzeichnete inflationsbereinigt in jedem der letzten zwölf Monate einen Verlust für seine Halter. Der heimische Leitindex BIST 100 enttäuschte in elf von zwölf Monaten. Der Euro konnte in acht der vergangenen zwölf Monate keinen realen Mehrwert generieren. Besitzer von staatlichen Inlandsschuldverschreibungen (DİBS) konnten lediglich in der Hälfte des Jahres (sechs Monate) einen realen Vermögenszuwachs verbuchen.