Fitch senkt Ausblick für die Türkei auf “stabil” – Rating bei “BB-” bestätigt

15.04.2026 – 7:00 Uhr

Die US-Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der Türkei herabgestuft – zumindest was die Zukunftsprognose betrifft. In einer Mitteilung vom späten Abend des 10. April revidierte Fitch den Ausblick für die langfristige Bonitätseinstufung der Türkei von „Positiv” auf „Stabil”. Die eigentliche Bonitätsnote (Issuer Default Rating, IDR) für Fremdwährungsverbindlichkeiten bleibt hingegen mit „BB-” unverändert im spekulativen Bereich.

Grund für die vorsichtigere Einschätzung ist der drastische Schwund der Devisenreserven. Laut Fitch-Berechnungen hat die türkische Zentralbank seit Beginn des Konflikts mit dem Iran schätzungsweise mehr als 50 Milliarden US-Dollar für Interventionen am Devisenmarkt aufgewendet, um den Kursverfall der Lira zu bremsen. Eine Fortsetzung oder gar Ausweitung der militärischen Auseinandersetzungen würde den Druck auf die ohnehin fragile Außenfinanzierung und die Inflation der Türkei weiter massiv erhöhen. Als besonderen Risikofaktor nannte Fitch das hohe Handelsdefizit des Landes im Energiesektor.

In ihrer Analyse gesteht die Ratingagentur der Türkei dennoch eine gewisse wirtschaftliche Robustheit zu. Positiv hervorgehoben werden die breit aufgestellte und diversifizierte Volkswirtschaft, die im internationalen Vergleich geringe Staatsverschuldung sowie der widerstandsfähige Bankensektor. Auch die Fähigkeit Ankaras, sich selbst in Krisenzeiten Zugang zu externen Finanzierungsquellen zu sichern, stützt das aktuelle Rating.

Mit Blick auf die Geldpolitik geht Fitch davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins in diesem Jahr restriktiv halten wird. Bereits am 1. März hatte sie die Finanzierungskosten faktisch um 300 Basispunkte erhöht, indem sie die Liquiditätsversorgung auf den Übernacht-Leitzins von 40 Prozent umstellte. Fitch prognostiziert einen realen Leitzins (ex-post) von 5,5 Prozent zum Jahresende 2026, der bis Ende 2027 auf etwa 2 Prozent gesenkt werden dürfte.

Hinsichtlich der Inflation haben die Analysten ihre Prognose leicht nach oben revidiert. Sie erwarten nun einen Rückgang auf 27 Prozent bis Ende 2026 (zuvor prognostiziert waren 25 Prozent) und weiter auf 21 Prozent bis Ende 2027, während die offizielle Jahresinflation im März noch bei 30,9 Prozent lag.

Um die Belastung durch hohe Energiepreise abzufedern, setzt die Regierung laut Fitch auf fiskalische Unterstützung. Durch die Reaktivierung eines gleitenden Mechanismus beim Kraftstoffpreis werden etwa zwei Drittel der Preissteigerungen bei Öl und Gas abgefedert.

Die nächste reguläre Überprüfung der türkischen Bonität durch Fitch ist für den 17. Juli 2026 angesetzt.