Die internationale Ratingagentur Fitch hält zwar an ihrer Bonitätsbewertung für die Türkei fest, stellt jedoch eine klare Bedingung für eine baldige Höherstufung. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AA betonte Erich Arispe Morales, Senior Director bei Fitch, man beobachte akribisch, ob das Land eine dauerhafte Stärkung seiner Währungsreserven erreichen könne. Ein solches Signal dürfte Investoren elektrisieren.
Das Land zeigt sich zwar widerstandsfähig angesichts der globalen geopolitischen Verwerfungen, doch für den nächsten Schritt nach oben sei laut Morales eine nachhaltige Entwicklung der Polster entscheidend. Fitch hatte die Türkei zuletzt am vergangenen Freitag mit „BB-“ und einem „stabilen“ Ausblick bestätigt – eine Entscheidung, die laut Morales mit einer früheren außerplanmäßigen Prüfung im April konsistent ist, als die Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran die Region erschütterten.
Morales räumte ein, dass die internationalen Reserven infolge dieser Krise zwar zurückgegangen seien, sich inzwischen aber wieder etwas erholt hätten. „Dennoch liegen sie weiterhin unter dem Vorkriegsniveau”, schränkte der Fitch-Direktor ein. Die anhaltend hohe geopolitische Unsicherheit berge für die gesamte Region – nicht nur für die Türkei – Risiken für die Inflation und das außenwirtschaftliche Gleichgewicht.
Trotz dieser Belastungen attestierte Morales der türkischen Wirtschaftspolitik einen stabilisierenden Kurs. Die politischen Entscheidungsträger hätten Maßnahmen ergriffen, um die erreichten Fortschritte bei den Inflationserwartungen zu sichern und eine drastische Umkehr zu verhindern. Als positives Zeichen wertete er die relativ stabile Entdollarisierungsquote von 38 Prozent.
„Ausschlaggebend ist das Bekenntnis der Zentralbankführung und des Wirtschaftsmanagements, die Inflation nachhaltig zu senken“, sagte Morales. Die türkische Wirtschaft erweist sich im globalen Vergleich als widerstandsfähig gegenüber makroökonomischen Ungleichgewichten. Eine zentrale Rolle spielen dabei ein robuster Bankensektor und der Zugang zu externen Finanzierungsquellen, die als Puffer gegen externe Schocks dienen.
Kritischer Blick auf Zinspolitik und Inflation
Zwar bleibt die Teuerungsrate mit über 30 Prozent drückend hoch, doch die Anzeichen für eine Verlangsamung mehren sich. Morales warnte jedoch, dass dieser Prozess fragil sei und Zeit benötige. Kontinuierliche Entschlossenheit und politische Glaubwürdigkeit seien dafür essenziell. Positiv hob er die hohen Realzinsen hervor, die die Attraktivität von Lira-Anlagen stützten und einer erneuten Dollarisierung entgegenwirkten.
Bezüglich der Geldpolitik prognostiziert Fitch behutsame Lockerungsschritte in der Zukunft. „Wir gehen von einer gewissen geldpolitischen Entspannung im späteren Jahresverlauf aus, basierend auf der Annahme sinkender geopolitischer Risiken und niedrigerer Energiepreise”, erklärte Morales. Konkret rechnet die Ratingagentur mit Zinssenkungen von insgesamt 200 Basispunkten, wodurch der Leitzins bis Ende 2026 auf 35 Prozent fallen würde.
Bis dahin bleibt jedoch die entscheidende Frage, ob die Türkei ihre Reserveposition nicht nur temporär, sondern strukturell und dauerhaft verbessern kann, im Raum. Für Fitch ist dies in Kombination mit einer stringenten Anti-Inflationspolitik der Schlüssel, um die Bonitätswächter endgültig von einer Heraufstufung zu überzeugen.