Finanzminister Şimşek: Trotz globaler Krisen setzt die Türkei auf Handel, Tourismus und Atomkraft

10.02.2026 – 13:00 Uhr

Trotz einer schwierigen weltwirtschaftlichen Lage bleibt die Türkei nach Einschätzung ihrer Regierung widerstandsfähig. Dies führt man auf Freihandelsabkommen, starke Dienstleistungsexporte und ein Reformprogramm zurück, erklärte Finanzminister Mehmet Şimşek auf einer Konferenz für Schwellenländer in Saudi-Arabien.

Das vergangene Jahr sei für die Weltwirtschaft, insbesondere für Schwellenländer, von „Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Unklarheit“ geprägt gewesen, so Şimşek. Die Türkei sei jedoch vergleichsweise robust gegenüber einer Fragmentierung des globalen Handels.

Der Minister führte dies darauf zurück, dass etwa 62 Prozent der türkischen Exporte durch das EU-Zollunionsabkommen und Freihandelsverträge mit 27 Ländern abgedeckt sind. Der verbleibende Handel konzentriere sich größtenteils auf nahegelegene Regionen wie den Mittleren Osten, Nordafrika und Zentralasien.

Ein besonderer Stützpfeiler ist der Dienstleistungssektor. Die Türkei zählt weltweit zu den Top 20 der Dienstleistungshändler, ist viertgrößter Tourismus-Player und globaler Marktführer beim Export von Bau- und TV-Serien. „Dienstleistungen sind bislang weniger vom Protektionismus betroffen als Waren. Das gibt uns einen Vorteil“, sagte Şimşek. Die Regierung priorisiert den Sektor wegen seiner hohen Wertschöpfung und seines Jobpotenzials.

Zudem setzt das Land verstärkt auf künstliche Intelligenz (KI) und investiert in Infrastruktur, Humankapital und Bildung. Ein weiterer Fokus liegt auf regionaler Integration und neuen Handelskorridoren. Die Türkei liegt auf dem „Mittleren Korridor“ zwischen Peking und London und arbeitet an neuen Routen, die den Golfraum über die Türkei an globale Märkte anbinden.

Im Zuge dieser Strategie zur Steigerung der Konnektivität stehen auch Energieinvestitionen im Mittelpunkt. Um den voraussichtlich durch KI verursachten steigenden Strombedarf zu decken, plant man, in den kommenden Jahrzehnten zwei bis drei weitere Atomkraftwerke zu bauen.