Finanzminister Şimşek kündigt Rückforderungen bei problembehafteten Investmentfonds an

Archivbild: DHA
22.10.2026 – 6:30 Uhr

Nach Angaben von Finanzminister Mehmet Şimşek haben die türkischen Behörden mithilfe eines Algorithmus jene Personen identifiziert, die von Marktmissbrauch bei problembehafteten Investmentfonds profitiert haben. Wie der Minister am 20. Oktober in einer gemeinsamen Sendung von Bloomberg HT und Habertürk erklärte, sollen die Gelder zugunsten der Anleger zurückgeholt werden.

Die Überprüfung habe die Fonds von ihrer Gründung bis zur Liquidation umfasst. Die Listen der identifizierten Profiteure wurden dem Einlagensicherungsfonds (TMSF) und dem Justizministerium übermittelt. Beide Institutionen arbeiten dabei mit der Zentralen Wertpapierverwahrstelle (MKK) zusammen.

Für jeden der 131 Fonds wurde ein separates Rückforderungskonto eingerichtet, zusätzlich zu einem allgemeinen Rückzahlungskonto, sodass insgesamt 132 Konten entstehen. Die ersten Aufforderungen zur freiwilligen Rückzahlung richten sich an Unternehmen und Einzelpersonen, die inflationsbereinigt Gewinne von mindestens zehn Millionen Türkischen Lira erzielt haben. Eine mögliche Beteiligung dieser Personen an Marktmanipulationen werde geprüft. „Falls sie das Geld nicht freiwillig zurückgeben, wird das Justizministerium rechtliche Schritte einleiten”, sagte Şimşek.

Die Rückholbemühungen erstreckten sich auch auf das persönliche Vermögen von Managern, Anteilseignern und anderen an koordinierten Unregelmäßigkeiten Beteiligten. Die Behörden haben die Vermögenswerte weitgehend identifiziert und die Informationen an den TMSF sowie an die Staatsanwaltschaften weitergegeben.

Laut Şimşek befinden sich die von Tera, Pusula und Atlas verwalteten Fonds weiterhin in außerordentlicher Liquidation. Die Eigentümer von Atlas befinden sich in Gesprächen mit der liquidierenden Institution und haben Bereitschaft signalisiert, aus den Fonds entnommene Vermögenswerte zurückzugeben.

Nach der Zustimmung des Parlaments zum Liquidationsgesetz sind Zwischenzahlungen von bis zu einer Million Lira vorgesehen, abhängig von den verfügbaren Mitteln des jeweiligen Fonds. Vorrangig berücksichtigt werden sollen Kleinanleger und Inhaber von Geldmarktfonds. Bei ausreichenden Mitteln könnten die Zahlungen rund 390.000 Konten abdecken. Die Ansprüche der Anleger auf verbleibende Restbeträge bleiben bestehen.

Von den 131 Fonds haben 66 die ordentliche Liquidation bereits abgeschlossen, sagte der Minister. Zudem kündigte er eine stärkere Aufsicht sowie härtere Strafen für Marktmanipulation und Insiderhandel an. Erfahrene Steuerprüfer könnten an die Aufsichtsbehörden versetzt werden. Die Umsetzung bestehender Fondsrichtlinien werde nicht verschoben.

Vizepräsident Cevdet Yılmaz erklärte, die Bemühungen zur Rückgewinnung unrechtmäßiger Gewinne und zur Entschädigung der Anleger würden fortgesetzt. Er warnte davor, die Maßnahmen gegen problembehaftete Fonds als Beschränkung des gesamten Marktes zu verstehen. Regelkonform arbeitende Fonds machten schließlich mehr als 90 Prozent des Marktes aus.