Eurostat-Zahlen: Große Mietpreisunterschiede in europäischen Hauptstädten

27.06.2026 – 16:00 Uhr

Wer in den Top-Städten Europas eine Zweizimmerwohnung sucht, braucht entweder ein dickes Portemonnaie oder starke Nerven. Die aktuellsten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat für das zweite Halbjahr 2025 offenbaren einen tief gespaltenen Wohnungsmarkt. Zwischen der teuersten und der günstigsten Stadt klafft eine gewaltige finanzielle Lücke.

An der Spitze des Mietpreis-Index steht die Schweizer Finanzmetropole Genf. Hier müssen Mieter für eine durchschnittliche Zweizimmerwohnung monatlich 3.350 Euro aufbringen – ein Rekordwert, der selbst andere Hochpreisstädte in den Schatten stellt. London ist mit 3.050 Euro die einzige weitere Stadt, die die 3.000-Euro-Marke durchbricht und auf Rang zwei folgt.

Auch in den Hauptstädten der Europäischen Union ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Die zweifelhafte Spitzenposition teilen sich Dublin und Stockholm mit einer Durchschnittsmiete von jeweils 2 650 Euro. Dicht dahinter rangiert das norwegische Oslo mit 2 550 Euro.

Eine Analyse der vier größten EU-Volkswirtschaften, der sogenannten „Big Four”, zeigt Paris als unangefochtenen Kostentreiber. Die französische Hauptstadt führt das interne Ranking mit 2 500 Euro an und wird mit deutlichem Abstand von Berlin (1 750 Euro), Madrid (1 700 Euro) und dem Schlusslicht Rom (1 650 Euro) gefolgt.

Die Datenkarte Europas zeigt jedoch auch ein völlig konträres Bild. Am unteren Ende der Skala und damit ein Paradies für Mieter mit kleinem Budget liegt der Balkan. Die nordmazedonische Hauptstadt Skopje ist mit 470 Euro der mit Abstand günstigste Ort. Auf den weiteren Plätzen folgen Pristina mit 520 Euro und – als überraschender Preistipp – die türkische Hauptstadt Ankara. Wer hier wohnt, zahlt durchschnittlich nur 770 Euro Miete und damit weniger als in fast jeder anderen europäischen Metropole.

Die Kluft hat System

Experten führen die enormen Preisunterschiede zwischen Genf und Skopje auf die lokalen Marktdynamiken zurück. Mikk Kalmet, Immobilienfachmann bei Global Property, sagte gegenüber Euronews: „Städte wie Genf, London oder Dublin erleben einen extremen Nachfragesog durch internationale Unternehmen, hochbezahlte Fachkräfte und stetige Zuwanderung. Das treibt die Preise unaufhörlich.“

Innerhalb der EU-Grenzen können Mieter vor allem im Osten und Südosten aufatmen. Neben der bulgarischen Hauptstadt Sofia (900 Euro) und Nikosia auf Zypern (910 Euro) bleiben die Mieten auch in Tirana (920 Euro) und Bukarest (930 Euro) unter der 1 000-Euro-Marke. Ein Gürtel mittlerer Belastung mit Werten um 1.100 bis 1.300 Euro zieht sich durch Städte wie Belgrad, Tallinn, Warschau und Budapest.

Die Eurostat-Erhebung macht unmissverständlich klar: Wohnen ist in Europa nicht nur eine Frage des Bedürfnisses, sondern vor allem eine der Geografie und des Geldbeutels.