Neue Lieferketten-Trends in Europa könnten der Türkei erhebliche Exportchancen eröffnen, bergen aber auch Potenzial für Risiken. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Exportevaluierungsbericht 2025 der Ankaraer Industriekammer (ASO) hervor.
Dem Bericht zufolge bietet der europäische Trend, Lieferketten krisensicherer zu gestalten und den Fokus auf nahegelegene Regionen zu legen, Wachstumsmöglichkeiten für türkische Exporteure. Die Türkei ist bereits tief industriell mit der EU verwoben. Sie wird jedoch nicht automatisch als Teil des „Made in Europe“-Rahmens betrachtet, was sowohl Risiken als auch Chancen birgt.
„Das größte identifizierte Risiko ist, dass die Türkei im selben Lieferantenkorb wie China gruppiert werden könnte”, warnt der Report. Dies könnte türkische Exporteure Kostenbelastungen durch europäische CO₂-Grenzausgleichsmaßnahmen aussetzen.
Trotz geopolitischer Spannungen, hoher Zinsen und protektionistischer Tendenzen im Welthandel stiegen die türkischen Ausfuhren im Berichtsjahr um 4,5 Prozent auf einen neuen Rekord von 273,4 Milliarden US-Dollar. Die Industrie bildet mit einem Anteil von 82 Prozent an den Gesamtexporten weiterhin das Rückgrat.
Besonders hervorstach die Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie, deren Exporte um sagenhafte 48,8 Prozent auf über 10 Milliarden US-Dollar stiegen. Der Automobilsektor verzeichnete ein robustes Wachstum von 11,6 Prozent auf 41,5 Milliarden US-Dollar. Die Bekleidungs- und Textilbranche büßte hingegen 6,3 Prozent ein und fiel auf 16,77 Milliarden Dollar.
Insgesamt stiegen die Exporte in europäische Länder um 7,8 Prozent auf 117 Milliarden Dollar. Allein im Dezember legten die Lieferungen nach Europa um 9 Prozent zu und überschritten die Marke von 10 Milliarden Dollar.
Der Bericht mahnt jedoch zugleich zur Vorsorge, da sich mehr als 65 Prozent der türkischen Exporte auf nur 20 Märkte konzentrieren. Diese Abhängigkeit schafft mittel- bis langfristige Verwundbarkeit, etwa bei Nachfrageschwäche oder handelspolitischen Konflikten.