Erneuerbare Energien dominieren Zubau der türkischen Stromkapazitäten

20.08.2026 – 7:00 Uhr

Die erneuerbaren Energien haben den türkischen Stromsektor im vergangenen Jahr förmlich überrollt. Wie aus den jüngsten Sektorberichten der Energiemarkt-Regulierungsbehörde EPDK hervorgeht, stammten zwischen Juni 2025 und Juni 2026 ganze 88,1 Prozent des gesamten Zubaus an Kraftwerksleistung aus regenerativen Quellen. Der Anteil der Ökostrom-Produktion am Gesamtmix kletterte damit erstmals deutlich über die Marke von 60 Prozent.

Laut den amtlichen Zahlen wuchs die gesamte installierte Stromerzeugungskapazität der Türkei – inklusive lizenzierter und unlizenzierter Anlagen – im Jahresvergleich von 119 740 Megawatt auf 126 113 Megawatt. Von diesem Nettozuwachs in Höhe von 6.373 Megawatt entfielen 5.613 Megawatt auf erneuerbare Energieträger. Die regenerative Gesamtleistung stieg somit von 73 195 auf 78 808 Megawatt, was einem Anteil von 62,5 Prozent an der landesweiten Kapazität entspricht.

Als Zugpferde dieser Entwicklung erwiesen sich einmal mehr Photovoltaik und Windkraft. Die installierte Solarleistung sprang binnen eines Jahres um rund 3 637 Megawatt auf 27 210 Megawatt. Die Windkapazität legte um etwa 1 805 Megawatt auf 15 281 Megawatt zu. Zusammen stemmten die beiden volatilen Quellen damit knapp 97 Prozent des gesamten Zubaus erneuerbarer Energien – und 85,4 Prozent des landesweiten Nettozuwachses an Kraftwerksleistung.

Durch den massiven Ausbau hat die Solarenergie in der Türkei inzwischen einen historischen Meilenstein erreicht: Mit 27,2 Gigawatt installierter Leistung ist sie zur zweitgrößten Stromquelle des Landes aufgestiegen – hinter der Wasserkraft mit 32,3 Gigawatt, aber vor der Windkraft mit 15,3 Gigawatt sowie den konventionellen fossilen Kraftwerken. Biomasse kommt derzeit auf rund 2,2 Gigawatt und Geothermie auf 1,8 Gigawatt. Insgesamt vereinen Wasser, Sonne und Wind damit eine Leistung von 74,8 Gigawatt auf sich, was fast 59 Prozent der türkischen Gesamtkapazität entspricht.

Noch deutlicher zeigt sich der Umbruch bei der tatsächlich eingespeisten Strommenge. Während die Gesamterzeugung im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur moderat von 171,3 auf 174,8 Terawattstunden zunahm, stieg die Produktion aus Wasser, Wind, Sonne, Biomasse und Geothermie um 32,3 Prozent von 81,3 auf 107,5 Terawattstunden. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung kletterte dadurch von 47,4 Prozent auf 61,5 Prozent.

Die Daten der Regulierungsbehörde unterstreichen den strukturellen Wandel im türkischen Energiesektor. Trotz eines weiterhin steigenden Strombedarfs macht sich die Türkei zunehmend von fossilen Importen unabhängig. Während die installierte Leistung konventioneller Kraftwerke stagniert, dominieren Solarparks und Windräder das Wachstum – ein Trend, der sich nach Einschätzung von Branchenkennern angesichts der hohen Sonneneinstrahlung in Anatolien und des anhaltenden Ausbautempos weiter beschleunigen dürfte.