Trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen in der Straße von Hormus drohen der Türkei laut offiziellen Angaben keine Versorgungsengpässe bei der Rohölversorgung. Der Vorsitzende der Energiemarkt-Regulierungsbehörde (EPDK), Mustafa Yılmaz, erklärte, das Land verfüge über ausreichende Reserven und technische Überwachungssysteme, um potenziellen Krisen proaktiv zu begegnen.
Yılmaz verwies auf den sogenannten Eşel-Mobil-Mechanismus, eine Art gleitende Steuerskala. Dieses Instrument dämpft die Auswirkungen starker Schwankungen der Rohölpreise vom Typ Brent auf den heimischen Markt. Die fiskalische Entlastung für die Verbraucher summierte sich laut Behördenangaben auf nahezu 600 Milliarden Türkische Lira Steuerverzicht.
Als weitere Sicherung führte Yılmaz die Vorgaben des nationalen Erdölmarktgesetzes an. Demnach ist die Türkei verpflichtet, strategische Reserven im Umfang von 90 Tagen der Nettoimporte vorzuhalten. Die Widerstandsfähigkeit gegen geopolitische Erschütterungen wird zusätzlich durch eine breite Streuung der Bezugsquellen auf 15 Länder gestärkt. Zudem prognostiziert die Behörde einen Anstieg der heimischen Rohölförderung um 26 Prozent auf 47,9 Millionen Barrel bis zum Jahr 2025.
Vor dem Hintergrund der Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), zwischen März und Juni 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven freizugeben, genehmigte die türkische Nationale Ölstock-Kommission die Nutzung von 11,6 Millionen Barrel aus Pflichtreserven. Parallel dazu erlaubte die EPDK den Lizenzinhabern, bis zu 46 Prozent ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Vorratshaltung in Anspruch zu nehmen.
Yılmaz zufolge spielt das digitale „Stock Monitoring System“ eine zentrale Rolle. Als eines der wenigen Überwachungssysteme unter den IEA-Mitgliedsstaaten ermöglicht es eine minutiöse Kontrolle der nationalen Reserven im Halbstundentakt. „Dank dieser technologischen Infrastruktur sind wir in der Lage, proaktive Lösungen für mögliche Krisenszenarien zu entwickeln. Es wird keine Versorgungsprobleme geben“, sagte der EPDK-Vorsitzende.