Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar hat Versorgungsengpässe bei Öl und Erdgas für die Türkei ausgeschlossen. Das Land beziehe seine Energie aus einem breiten Spektrum an Lieferanten und habe keine Schwierigkeiten bei der Beschaffung, so Bayraktar am Rande des Nukleargipfels nahe Paris. „Derzeit gibt es in der Türkei kein Problem mit der Versorgung. Wir beziehen Energie aus sehr unterschiedlichen Quellen“, betonte der Minister vor Journalisten.
Angesichts der global angespannten Lage auf den Öl- und Gasmärkten sowie der Diskussionen über die Versorgungssicherheit hob Bayraktar die Bedeutung der Diversifizierung hervor. Die Türkei investiere weiterhin in verschiedene Energiequellen und arbeite an einem ausgewogeneren Portfolio. Um die Bevölkerung vor steigenden Ölpreisen zu schützen, hat die Regierung zudem ein Gleitklauselsystem (Eşel Mobil) für Kraftstoffpreise eingeführt.
Bayraktar nannte die Bewährungsproben während der Corona-Pandemie und des Russland-Ukraine-Krieges als Belege für die Widerstandsfähigkeit des türkischen Energiesektors. Die Strategie des Landes basiert auf langfristiger Planung und Stabilität. Ein wichtiger Pfeiler dabei ist die eigene Förderung: Die Türkei erkundet mit ihrer Flotte im Mittelmeer und im Schwarzen Meer nach Öl und Gas.
Ein Schwerpunkt der türkischen Energiepolitik liege laut Bayraktar auf dem Ausbau der Kernkraft. Während des Gipfels führte er Gespräche mit IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi sowie mit Vertretern Italiens und Serbiens. Aktuell entstehen im Kernkraftwerk Akkuyu vier Reaktoren. Bayraktar kündigte an, acht weitere große Reaktoren in Sinop und Thrakien errichten zu wollen. Auch die Entwicklung kleiner, modularer Reaktoren (SMRs) biete große Chancen für das Land. Verhandlungen über mögliche Kooperationen würden unter anderem mit Frankreich geführt.
Auf die Frage, ob die jüngsten Spannungen im Nahen Osten die türkischen Atomprojekte beschleunigen könnten, antwortete Bayraktar: „Ich hoffe es.“ Die Energiestrategie der Türkei werde zwar nicht von kurzfristigen Entwicklungen bestimmt, bei Bedarf jedoch angepasst. Das Rückgrat der Strategie sei und bleibe der maximale Ausbau erneuerbarer Energien.