Die Türkei forciert ihre Energiewende mit Milliardeninvestitionen und einem international beachteten Festival. Wie der türkische Energie- und Rohstoffminister Alparslan Bayraktar am Dienstag in Istanbul bekannt gab, hat das Land in den Jahren 2024 und 2025 bereits rund 7,6 Milliarden US-Dollar in die Energieeffizienz investiert. Dies entspricht 130 Prozent der im zweiten nationalen Aktionsplan gesetzten Ziele.
Vom 4. bis 7. Juni soll auf dem Gelände des ehemaligen Atatürk-Flughafens das erste „Null-Abfall-Festival“ stattfinden. Die unter dem Motto „Energieeffizienz, Transformation der Zukunft“ stehende Veranstaltung wird nach Regierungsangaben der weltweit erste zertifizierte Festivalbetrieb sein, der seinen Strombedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen deckt.
Kampf gegen die Importlast
Minister Bayraktar verwies auf die drängende Notwendigkeit der Transformation. Die hohe Energieimportrechnung, die sich 2022 auf etwa 96,5 Milliarden Dollar belief, stelle eine erhebliche Belastung und ein „Krisenmoment“ für die türkische Wirtschaft dar. „All unsere Anstrengungen zielen darauf ab, die Außenabhängigkeit der Türkei im Energiebereich zu senken“, so Bayraktar. Neben dem forcierten Ausbau erneuerbarer Energien – für das Jahr 2025 ist mit über 8.200 Megawatt neuer Leistung aus Solar-, Wind- und Biomassekraftwerken ein Rekordjahr geplant – steht die Sanierung des Gebäudebestands im Zentrum. In öffentlichen Gebäuden soll per Präsidialdekret bis 2030 eine Energieeinsparung von 30 Prozent erzielt werden.
Das Festival ist Teil der „Istanbuler Null-Abfall-Woche“, die unter der Schirmherrschaft von First Lady Emine Erdoğan steht. Die im Jahr 2017 gestartete Initiative hat sich zu einer globalen Umweltbewegung entwickelt. Dies wurde durch die Anerkennung des 30. März als „Internationaler Tag der Null-Abfall-Bewegung“ durch die Vereinten Nationen unterstrichen. Der Gouverneur von Istanbul, Davut Gül, bezeichnete die Bewegung als strategisches Instrument der „Soft Power“, das dem internationalen Ansehen des Landes diene. Zu dem parallel stattfindenden Forum werden über 120 Minister aus 183 Ländern erwartet, auf dem Festivalgelände rechnet man mit bis zu einer Million Besuchern.
Langfristziel: CO2-Neutralität
Neben der Senkung der Importabhängigkeit verfolgt die Regierung das langfristige Ziel einer emissionsfreien Wirtschaft. „Wir haben das Ziel einer kohlenstoffneutralen Wirtschaft bis zum Jahr 2053, das Präsident Erdoğan vorgegeben hat”, erklärte Bayraktar. Das öffentlich-private Investitionsvolumen dafür bezifferte er im Rahmen des zweiten Aktionsplans auf über 20 Milliarden Dollar.