Laut Energieminister Alparslan Bayraktar steht die Türkei unmittelbar vor einem entscheidenden Schritt im umstrittenen Kernkraftprojekt Akkuyu. Wie der Minister am Rande des in Istanbul stattfindenden Türkei-Energiegipfels mitteilte, soll das Kraftwerk „in den kommenden Wochen“ erstmals mit nuklearem Brennstoff beladen und somit physisch in Betrieb genommen werden. Damit würde das erste Atomkraftwerk des Landes offiziell in die Inbetriebnahmephase eintreten.
Bayraktar zufolge finden zudem Gespräche mit Russland, Südkorea und China über den Bau weiterer Kernkraftwerke statt. Konkrete Zeitpläne oder Standorte nannte der Minister jedoch nicht. Das Projekt Akkuyu war ursprünglich als Prestigevorhaben angekündigt worden und war mehrfach von Verzögerungen begleitet. Seit Jahren verweisen Kritiker auf Sicherheitsbedenken sowie auf die geopolitische Abhängigkeit von Russland, das den Meiler maßgeblich finanziert und technisch betreut.
Neben dem Atomprogramm kündigte Bayraktar an, die Regierung in Ankara werde möglicherweise noch vor Jahresende neue Übernahmen oder Beteiligungen im Bereich der Erdöl- und Erdgasförderung bekannt geben. Ziel sei es, die heimische Produktion auszuweiten. Konkrete Angaben zu Unternehmen oder Fördermengen machte er nicht.
Zudem zeigte die Türkei laut dem Minister Interesse an Offshore-Energieprojekten vor der Küste des Libanon. Weitere Einzelheiten zu Umfang oder möglichen Partnern wurden zunächst nicht bekannt.
Im Bereich der Exploration meldete Bayraktar Fortschritte. Das Forschungsschiff „Oruç Reis“ werde „in Kürze“ nach Pakistan aufbrechen, um dort mit Erkundungsarbeiten in Fördergebieten zu beginnen. Darüber hinaus erklärte der Minister, die Türkei habe aus Europa Angebote zum Kauf von türkischem Erdgas erhalten. Angaben zu den anbietenden Staaten oder zum Volumen der möglichen Lieferungen machte er nicht.