Die Türkei verfolgt ambitionierte Pläne: Sie will den Ölterminal von Ceyhan an ihrer Mittelmeerküste zu einem führenden regionalen Knotenpunkt für die Lagerung, den Handel und die Preisbildung von Rohöl und Erdölprodukten ausbauen. Energieminister Alparslan Bayraktar skizzierte das Ziel, Ceyhan zu einem „Rotterdam des Mittelmeers“ zu entwickeln – eine Anspielung auf den größten Seehafen Europas und zentralen Umschlagplatz für Energie.
Die strategische Bedeutung des Standorts ist bereits jetzt erheblich, da Ceyhan den mediterranen Endpunkt der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) sowie der strategisch wichtigen Irak-Türkei-Pipeline bildet. Im Zentrum der türkischen Ausbaupläne steht eine erhebliche Steigerung der Ölflüsse aus dem Nachbarland Irak. Ein am 1. August unterzeichnetes, auf ein Jahr befristetes Abkommen sichert dem Irak eine tägliche Durchleitungskapazität von 750.000 Barrel durch die bestehende Pipeline zu. Bayraktar bezifferte die daraus resultierenden jährlichen Transiteinnahmen für die Türkei auf rund 500 Millionen US-Dollar.
Doch die Vision reicht weit über dieses Abkommen hinaus. Das bestehende Pipelinesystem verfügt derzeit über eine maximale Kapazität von 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Ankara plant, die Route südwärts bis nach Basra im Südirak, dem Zentrum der irakischen Ölförderung, zu verlängern und die Kapazität auf 2,5 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen. Mittelfristig könnten laut dem Minister auch Rohöllieferungen aus anderen Förderstaaten der Region, darunter Kuwait, über dieselbe Strecke nach Ceyhan geleitet werden.
Bereits heute liefert die BTC-Pipeline täglich zwischen 550.000 und 600.000 Barrel an die türkische Mittelmeerküste. In Kombination mit den erhofften gesteigerten Lieferungen aus dem Irak könnte das Handelsvolumen am Terminal Ceyhan schrittweise auf 3 bis 3,5 Millionen Barrel pro Tag anwachsen. Um diese Warenströme zu bewältigen und eine vollwertige Handelsplattform zu etablieren, sind laut Bayraktar flankierende Investitionen unerlässlich. Bayraktar nannte in diesem Zusammenhang den Aufbau zusätzlicher Lagerkapazitäten, neuer Raffinerien und petrochemischer Anlagen.
Die Infrastrukturprojekte werden durch ein verstärktes Engagement der Türkei in der vorgelagerten Förderung flankiert. So hat die staatliche Turkish Petroleum Corporation (TPAO) kürzlich einen Anteil von 15 Prozent an der BP Energy Company of Kirkuk Limited erworben. Damit steigt sie in ein Konsortium mit den Ölmultis BP und ConocoPhillips ein, das Felder mit geschätzten Reserven von rund drei Milliarden Barrel Öläquivalent entwickelt.