Die Türkei sieht 2026 als ein „kritisches“ Jahr für ihre Energieagenda, erklärte Energie- und Natürliche-Ressourcen-Minister Alparslan Bayraktar. In diesem Jahr sollen mehrere große Programme erstmals sichtbare Ergebnisse liefern.
Bayraktar kündigte in einem Fernsehinterview an, dass die Regierung im kommenden Jahr den Grundstein für eine Industrieanlage in Beylikova, Eskişehir, legen werde. Die Anlage soll eine jährliche Kapazität von 570.000 Tonnen für Seltene Erden haben. Derzeit liege der Reinheitsgrad der Seltenen Erden bei rund 92–93 Prozent, daran werde weiter gearbeitet.
Im Bereich Kernenergie plant die Türkei, 2026 den ersten Reaktor des Kernkraftwerks Akkuyu ans Netz zu bringen und Strom zu erzeugen. Langfristig sollen außerdem je vier Reaktoren in Sinop und Thrakien gebaut werden, mit dem Ziel, eine Gesamtkapazität von 20.000 Megawatt zu erreichen.
Bayraktar kündigte zudem an, dass Subventionen für Energie fortgeführt werden und ein ähnliches Modell auch für Erdgas umgesetzt werden soll. Derzeit deckt heimisches Gas den Bedarf von rund 4 Millionen Haushalten; 2026 sollen es 8 Millionen Haushalte sein. Die Produktion von Erdgas im Schwarzen Meer soll von 9,5 auf 20 Millionen Kubikmeter steigen.
Im Bereich fossiler Brennstoffe kündigte er das erste horizontale Bohrprojekt für Schieferöl in Diyarbakır an, mit insgesamt 24 geplanten Bohrungen, sowie ein ähnliches Projekt für Erdgas in Thrakien. Die staatliche türkische Erdölgesellschaft TPAO soll mit den bestehenden Reserven bis 2028 „ein Unternehmen von rund einer halben Million Barrel“ werden. Mittelfristig strebt die TPAO eine Gesamtproduktion von 1 Million Barrel Öl und Gas an.
Auch internationale Projekte stehen auf der Agenda: Bohrungen in Pakistan sollen 2026 beginnen, in Somalia nach Abschluss seismischer Arbeiten ebenfalls. Zudem werden mögliche Projekte im Irak, in Syrien und in Aserbaidschan geprüft. Die Gasversorgung aus Turkmenistan könnte auf bis zu drei Milliarden Kubikmeter steigen, zudem sollen Verhandlungen über die Ausweitung der Kapazität der Irak–Türkei-Ölpipeline fortgesetzt werden.
Im Bergbau laufen Arbeiten an sieben Goldminen in Niger, drei davon befinden sich bereits in der Produktionsphase. Erste Goldproduktion wird innerhalb der kommenden Monate erwartet.
„2026 wird ein sehr arbeitsreiches Jahr im Energiesektor“, betonte Bayraktar und verwies sowohl auf laufende Projekte als auch auf neue Initiativen, die Ankara starten möchte.