Eid al-Adha 2026: Türkei zwischen traditioneller Opfergabe und modernem Urlaubstourismus

27.05.2026 – 7:00 Uhr

Während Millionen Gläubige in der Türkei die letzten Vorbereitungen für das viertägige Opferfest (Eid al-Adha), das am 27. Mai beginnt, abschließen, taucht das Land in einen beispiellosen Ausnahmezustand aus Kaufrausch, rituellen Handlungen und einer der größten Reisewellen des Jahres ein.

In den historischen Basaren Istanbuls, insbesondere im Gewürz- und im Großen Basar, drängten sich bereits am Wochenende die Menschenmassen. Die Stände mit Baklava, Lokum und Schokolade verzeichneten enormen Andrang. Gleichzeitig herrschte an den von den Behörden eingerichteten Schlachtzonen geschäftiges Treiben. Laut dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft wurden rund vier Millionen für das Ritual vorgesehene Tiere gesundheitlich untersucht, während die Hygienemaßnahmen im öffentlichen Raum deutlich verschärft wurden.

Das Opferfest, das an die Prüfung des Glaubens von Prophet Ibrahim erinnert, steht traditionell im Zeichen der Nächstenliebe. Zwei Drittel des Fleisches der rituell geschlachteten Tiere werden an Bedürftige gespendet. In diesem Jahr verwandelt sich die Feierlichkeit für viele Bürger jedoch in einen ausgedehnten Urlaub, da die Feiertage günstig auf die Werktage fallen.

Die Tourismusbranche meldet nahezu vollständige Auslastung in den Hochburgen Antalya, Kappadokien und Mardin. Während die Küstenresorts boomen, wird die 15-Millionen-Metropole Istanbul dagegen zusehends leerer. Wer in der Stadt bleibt, nutzt die seltene Ruhe, um historische Stätten zu besuchen.

Für Kurzentschlossene, die dem städtischen Trubel entfliehen möchten, ohne weit zu reisen, werden unterdessen alternative Campingziele immer beliebter. In abgelegenen Gebieten nahe Şile und anderen Küstenbezirken liegen die Übernachtungspreise in der Feiertagswoche bei 500 bis 1.000 Türkischen Lira (etwa 11 bis 22 Euro) pro Person im Zelt. Caravan-Reisende müssen mit durchschnittlich rund 1.000 Lira pro Nacht rechnen.

Angesichts der massiven Reiseströme hat die Regierung die Verkehrskontrollen landesweit ausgeweitet. Für die neuntägige Ferienperiode gelten strengere Auflagen für die Fahrzeugausrüstung und es gibt eine erhöhte Präsenz der Sicherheitskräfte, um die Unfallzahlen auf den überfüllten Fernstraßen zu senken.