Bei hochrangigen Regierungskonsultationen in Ankara haben Deutschland und die Türkei eine Vertiefung ihrer Handelsbeziehungen vereinbart. Im Zentrum der Gespräche standen neben der Modernisierung der Zollunion auch geopolitische Lieferketten und eine gemeinsame industrielle Strategie, durch die der Druck auf die EU erhöht werden dürfte.
Am 19. Juni empfing der türkische Handelsminister Ömer Bolat die deutsche Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, zum sechsten Treffen der Gemeinsamen Wirtschafts- und Handelskommission (JETCO). Laut Bolat loteten beide Seiten Möglichkeiten aus, um die wirtschaftliche Integration strategisch neu auszurichten.
Im Detail verhandelt wurden neben klassischen Handels- und Investitionsfragen vor allem die Energie- und Verkehrswende, die grüne und digitale Transformation sowie mögliche Kooperationen in Drittstaaten. Ein zentraler Punkt war die Forderung nach einer Aktualisierung des Zollabkommens zwischen der Türkei und der Europäischen Union sowie nach Erleichterungen bei der Visavergabe.
„Made in EU“ – Ankara will sichtbarer werden
Besonders brisant ist, dass beide Länder laut Bolat die Absicht bekräftigten, die Rolle der Türkei in den europäischen Wertschöpfungsketten prominenter zu verankern – und zwar unter dem Ansatz „Made in EU”. Die starke wirtschaftliche Verflechtung beider Nationen sei für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten von strategischer Bedeutung, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.
Man sei sich einig, die seit Langem bestehende Partnerschaft an die Erfordernisse einer „neuen Ära” anzupassen und auf eine höhere Stufe zu heben.
Parallel zu den Handelsgesprächen führte Staatssekretärin Reiche ein separates Treffen mit dem türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek. Inhalte dieser Unterredung wurden zunächst nicht detailliert bekannt. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte jedoch bereits im Vorfeld der Reise mitgeteilt, dass der Fokus auf der wirtschafts- und energiepolitischen Partnerschaft, einschließlich des Deutsch-Türkischen Energieforums, liege.
Mit einem bilateralen Handelsvolumen von über 52 Milliarden US-Dollar bleibt Deutschland der mit Abstand größte Handelspartner der Türkei.