Deutsche Bank: Zinssenkungen in der Türkei rücken in weite Ferne – Negativszenario reicht bis 2027

28.07.2026 – 6:30 Uhr

Angesichts der jüngsten geopolitischen Verwerfungen und steigender Rohstoffpreise hat die Deutsche Bank ihre Prognosen für die türkische Wirtschaft drastisch revidiert. In einer aktuellen Analyse zum Zinsentscheid der türkischen Zentralbank (TCMB) heben die Ökonomen sowohl die Inflations- als auch die Zinserwartungen deutlich an und stellen die Märkte auf eine längere Durststrecke ein.

Laut dem von Ökonom Yiğit Onay verfassten Bericht ist die Entscheidung der Notenbank, den Leitzins im Juli unverändert zu belassen, eine direkte Reaktion auf das schwieriger gewordene externe Umfeld. Als zentrale Belastungsfaktoren identifiziert die Bank die eskalierenden globalen geopolitischen Spannungen sowie die massiv gestiegenen Energiekosten.

Die Analysten rechnen vor, dass allein der jüngste Anstieg der Brent-Ölpreise um mehr als 35 Prozent in Verbindung mit Steueranpassungen bei Kraftstoffen die Inflation im Land um etwa 1,5 Prozentpunkte zusätzlich belastet. Neben dem Ölpreisschock werden auch der um über 50 Prozent gestiegene europäische Erdgaspreis sowie die anziehenden Agrarrohstoffpreise als Bremsklötze für den erhofften Inflationsrückgang gewertet.

Prognosen kassiert: Inflation steigt, Zinssenkung vertagt

Als Konsequenz aus diesem Kostendruck korrigiert die Bank ihre makroökonomischen Eckdaten spürbar nach oben. So wird die Inflationsprognose zum Jahresende von zuvor 28,5 Prozent auf nun 30 Prozent angehoben. Gleichzeitig steigt die Erwartung für den Leitzins zum Jahresultimo von 35 auf 36 Prozent. Die von vielen Marktteilnehmern erhoffte Normalisierung des geldpolitischen Kurses, also eine Absenkung der effektiven Finanzierungskosten von derzeit 40 Prozent auf das Leitzinsniveau, sieht die Deutsche Bank frühestens im September. Mit tatsächlichen Zinssenkungen rechnen die Experten sogar erst im Schlussquartal des Jahres.

Horrorszenario: Lockere Geldpolitik erst 2027

Das von den Ökonomen skizzierte Risikoszenario ist besonders alarmierend. Sollte der Brent-Preis dauerhaft über 100 Dollar je Barrel liegen und gleichzeitig die steuerlichen Entlastungen bei Kraftstoffen auslaufen, droht eine Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits. In einem solchen Umfeld wäre die Zentralbank gezwungen, ihren restriktiven Kurs weitaus länger beizubehalten.

Die Deutsche Bank stellt für diesen Extremfall eine markante Warnung in den Raum: Die erste Zinssenkung könnte sich bis ins Jahr 2027 verschieben. Eine geldpolitische Lockerung würde dann in unbestimmte Ferne rücken.

Dennoch gibt es auch ein positives Alternativszenario. Sollten sich die geopolitischen Krisen rasch beruhigen, die Energiepreise deutlich nachgeben oder die Regierung mit zusätzlichen Subventionen eingreifen, könnte sich die Inflationsdynamik schneller als gedacht verbessern. In diesem Fall wäre die Notenbank in der Lage, früher als geplant die geldpolitische Bremse zu lösen.