Die Deutsche Bank hat ihre neue Halbjahresprognose für die Türkei vorgelegt. Darin wagt sie einen detaillierten Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes bis 2027, wobei sie die weitere Geldpolitik der Zentralbank, den Kurs der türkischen Lira sowie die Inflations- und Wachstumsaussichten in den Fokus rückt.
Laut dem am Dienstag veröffentlichten „CEEMEA 2026 Second-Half Outlook” rechnet die Bank damit, dass die türkische Notenbank ihren straffen geldpolitischen Kurs zwar grundsätzlich beibehält, jedoch vorsichtige Zinssenkungen fortsetzen wird. Der Leitzins soll demnach vom aktuellen Niveau von 37 Prozent bis zum Ende des dritten Quartals auf 36 Prozent sinken. Für das Jahresende 2026 prognostizieren die Analysten einen Wert von 35 Prozent; für Ende 2027 wird ein weiterer Rückgang auf 31 Prozent erwartet.
Dollar und Euro im Höhenflug
Einen deutlichen Wertverlust sagt die Bank der türkischen Währung voraus. Der Wechselkurs des US-Dollars zur Lira wird bis zum Jahresende 2026 auf 51,00 und bis Ende 2027 auf 65,00 steigen. Für den Euro wird zum Ende des laufenden Jahres ein Kurs von 63,80 Lira prognostiziert.
Trotz dieser nominalen Abwertung sehen die Experten die Lira aktuell als real stark überbewertet an. Dieser Umstand, der durch hohe Realzinsen getrieben wird, hat die konsumorientierten Importe spürbar angekurbelt. Gleichzeitig mahnt der Bericht wachsende Risiken an. Den Analysten bereitet Sorge, dass die ausländischen Direktinvestitionen erstmals seit 20 Jahren ins Negative gedreht sind. Als kurzfristige Stützpfeiler für die Lira könnten laut Einschätzung der Bank die robusten Tourismuseinnahmen sowie ein Rückgang der Goldpreise wirken.
Wirtschaftswachstum und hartnäckige Inflation
Beim Wirtschaftswachstum erwartet die Deutsche Bank für das laufende Jahr 2026 ein Plus von 3,0 Prozent. Die Inflation bleibt der Prognose zufolge indes auf hohem Niveau. Die Bank rechnet mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 30,5 Prozent im Jahr 2026 sowie mit einem Leistungsbilanzdefizit von 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und einem Haushaltsdefizit von 3,5 Prozent.