Ein Schulterschluss zwischen Frankreich und der Türkei katapultiert die rumänische Renault-Tochter Dacia in eine neue Liga: Mit dem Kompaktmodell „Striker“ produziert die Marke erstmals ein Fahrzeug außerhalb ihres Stammwerks in Mioveni und macht die Türkei damit zum alleinigen globalen Produktionsstandort. Dies teilten die beteiligten Konzerne am Donnerstag mit.
Die Fertigung des C-Segment-Modells wird im Oyak-Renault-Werk im nordwesttürkischen Bursa angesiedelt sein. Dieser Schritt ist Teil eines bereits im Jahr 2023 von der türkischen OYAK-Gruppe und der Renault Group verkündeten strategischen Investitionsplans in Höhe von 400 Millionen Euro. Die Vorbereitungen laufen, der Verkaufsstart in der Türkei ist für Dezember vorgesehen. Anschließend soll der Striker vor allem nach Europa exportiert werden.
Exklusivität made in Bursa
Das Besondere an diesem Deal: Die Türkei wird zum exklusiven Welthub für das Dacia-Flaggschiff. „Mit diesem Projekt wird die Türkei erstmals das einzige weltweite Produktionszentrum für ein Dacia-Fahrzeug“, erklärte Lionel Jaillet, CEO der Renault Group Türkei. Bislang war Dacia im Land ein reiner Importeur, doch nun soll die Marke zu einem strategischen Akteur mit lokaler Fertigungstiefe werden.
Laut Unternehmensangaben soll das Fahrzeug einen lokalen Wertschöpfungsanteil von 40 Prozent erreichen. Es ist das vierte Modell, das im Zuge der Großinvestition im Oyak-Renault-Werk vom Band rollt. Die Reise begann mit dem Renault Duster, gefolgt vom neuen Renault Clio und dem Renault Boreal, so MAİS-Vorstandschef Bahaettin Tatoğlu. Der Striker fungiere nun als krönendes Flaggschiff der Marke Dacia.
Historische Zäsur nach 29 Jahren Stillstand
Die Ansiedlung stellt zudem eine industriepolitische Wegmarke dar. Seit dem letzten Investment von Honda im Jahr 1997 hat keine neue Automobilmarke mehr eine Fahrzeugproduktion in der Türkei gestartet. Dacia durchbricht nun diese fast drei Jahrzehnte währende Durststrecke.
Dacia-Vertriebsvorstand Frank Marotte gab für europäische Kunden eine Preisspanne von 25.000 bis 30.000 Euro als Richtwert aus. Mit dieser Positionierung zielt der Striker mitten ins Herz des hart umkämpften Kompaktsegments – allerdings nun mit dem Rückenwind einer neuen türkisch-europäischen Produktionsallianz.