Die türkische Zentralbank (TCMB) könnte auf ihrer nächsten Sitzung am 22. Oktober die Zinsen senken. Die Commerzbank sieht angesichts der jüngsten Inflationsentwicklung Spielraum für einen Schritt um 100 Basispunkte, wie die Bank in einer aktuellen Analyse mitteilt. Der Leitzins liegt derzeit bei 37 Prozent.
Im September war die Inflation in der Türkei unter den Erwartungen geblieben. Die Verbraucherpreise stiegen im Monatsvergleich um 1,84 Prozent, die Jahresrate sank von 31,51 Prozent im August auf 29,73 Prozent. Nach Einschätzung von Tatha Ghose, Senior Economist für Schwellenländer bei der Commerzbank, spielte dabei vor allem ein Basiseffekt eine Rolle. Die nachlassende Preisdynamik schaffe dennoch eine Grundlage für einen weiteren Lockerungsschritt.
Der von der Notenbank veröffentlichte C-Index, der volatile Posten wie Energie und Lebensmittel ausklammert, lag im Jahresvergleich bei 28,70 Prozent, stieg im Monatsvergleich jedoch um 2,14 Prozent. Laut Commerzbank haben sich die monatlichen Preissteigerungen noch nicht vollständig abgeschwächt. Für das Schlussquartal besteht demnach die Gefahr, dass die Inflation wieder anzieht.
Kurspufferung nur kurzfristig wirksam
Trotz der überraschend günstigen Inflationsdaten hat sich die türkische Lira nicht nachhaltig erholt. Die Commerzbank geht davon aus, dass Devisenmarktinterventionen kurzfristige Schwankungen zwar begrenzen können, den mittelfristigen Trend aber kaum umkehren dürften. Mit dem Beginn des Zinssenkungszyklus erwarten die Analysten anhaltenden Druck auf die Landeswährung.
Vor der Sitzung am 22. Oktober richten die Märkte ihr Augenmerk auf die monatliche Inflationsentwicklung, die Bewegung der Wechselkurse und die Energiepreise. Die Notenbank hatte zuletzt betont, ihre Entscheidungen vorsichtig und datenbasiert zu treffen.