Der Branchenverband OİB schätzt, dass die türkische Automobilindustrie auch in den kommenden Jahren kräftig wachsen wird. Der Verbandsvorsitzende Baran Çelik geht davon aus, dass der heimische Absatz dauerhaft über der Marke von einer Million Fahrzeugen liegen wird. Noch vor wenigen Jahren galt diese Schwelle als ambitioniert, heute stellt sie eine „neue Basis“ dar, so Çelik.
Bereits im Jahr 2025 wurden mit fast 1,37 Millionen verkauften Einheiten historische Werte erreicht. Für 2026 prognostiziert der Verbandschef einen Absatz zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Fahrzeugen – abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Produktionskapazitäten des Landes liegen mit bis zu 2,25 Millionen Einheiten pro Jahr deutlich höher, aktuell werden jedoch nur etwa 1,5 Millionen Fahrzeuge gefertigt.
Doch trotz der starken Zahlen sieht Çelik strukturelle Schwächen. So sei das Angebot an Pkw-Modellen nach wie vor zu schmal, was zu einer starken Importabhängigkeit führe. Mehr als 70 Prozent der in der Türkei verkauften Autos stammen aus dem Ausland. Gleichzeitig werden drei Viertel der inländischen Produktion exportiert – ein Beleg dafür, dass die Türkei vor allem als globaler Produktionsstandort und weniger als ausdifferenzierter Binnenmarkt agiert.
„Unsere Vision ist es, ein Land zu werden, das Fahrzeuge aller Antriebsarten und Klassen herstellt”, sagte Çelik. Nur mit einer größeren Modellvielfalt könne die Türkei zu einem wettbewerbsfähigen Automobilzentrum aufsteigen.
Neue Investitionen, vor allem von Herstellern aus dem Fernen Osten sowie von Zulieferern für Ersatzteile, sollen die bestehenden Lücken schließen. Konkrete Angaben dazu machte Çelik nicht. Jeder Schritt in Richtung Diversifizierung stärke jedoch die internationale Position des Landes, betonte er.