BBVA-Studie: Industrie stützt türkische Konjunktur – Konsum schwächelt

22.08.2026 – 6:30 Uhr

Die türkische Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 offenbar widerstandsfähiger auf das geopolitische Umfeld reagiert als von vielen Beobachtern erwartet. Laut einer neuen Analyse von BBVA Research legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresvergleich um 3,0 Prozent zu und übertraf damit die bisherigen Prognosen der Bank.

Auf Quartalssicht bedeutet dies ein Wachstum von etwa einem bis eineinhalb Prozent. „Die harten Konjunkturdaten haben unsere Erwartungen positiv überrascht“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Getragen wurde die Entwicklung demnach vor allem von einer robusten Industrieproduktion. Der Dienstleistungssektor stagnierte hingegen und das Baugewerbe verlor weiter an Schwäche.

Verbraucher treten auf die Bremse

Auffällig ist die zunehmende Abkühlung im Inneren: Der private Konsum schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal. Laut BBVA sind die deutlich restriktiveren Finanzierungsbedingungen der Grund dafür. Die straffere Geldpolitik drosselte das Wachstum bei Verbraucherkrediten spürbar und dämpfte damit die Kaufkraft der Haushalte – ein Prozess, der aus Sicht der Ökonomen die von der Zentralbank angestrebte Desinflation unterstützt.

Gleichzeitig profitierte die Handelsbilanz von Sondereffekten. Trotz der schwachen globalen Nachfrage stiegen die Exporte im Quartalsvergleich. Da zugleich die Importe zurückgingen, lieferte der Außenhandel einen positiven Beitrag zum Wachstum – sowohl im Jahres- als auch im Quartalsvergleich.

Energiepreise als größtes Risiko

Trotz der soliden Wachstumszahlen warnt das Forschungsinstitut der BBVA vor weiterhin bestehenden Gefahren für die Konjunktur. Explizit genannt werden geopolitisch getriebene Schwankungen bei den Energiepreisen, eine anhaltende Inflationsträgheit sowie weiterhin erhöhte Inflationserwartungen.

Für das Gesamtjahr 2026 hält die Bank an ihrer Wachstumsprognose von 3,0 Prozent fest. Diese basiert auf der Annahme allmählich normalisierender Energiepreise und eines vorsichtigen wirtschaftspolitischen Kurses. Als größtes Abwärtsrisiko gilt eine erneute Eskalation der Spannungen im Nahen Osten mit entsprechend sprunghaft steigenden Energiekosten.