Die spanische Großbank BBVA hat ihre Wachstumserwartung für die türkische Wirtschaft im laufenden Jahr von 4 auf 3 Prozent gesenkt. In ihrem aktuellen Länderbericht „Türkiye Ekonomisinde Görünüm“ (Ausblick Türkei) verweisen die Ökonomen auf eine zunehmende Abkühlung, die allerdings noch kein alarmierendes Niveau erreicht hat. Für das Jahresende 2026 rechnet das Institut mit einem Dollar-Wechselkurs von 52 Lira.
Im ersten Quartal 2026 wuchs die Wirtschaft im Jahresvergleich wie erwartet um 2,5 Prozent. Seit Mai hat sich die Dynamik jedoch weiter abgeschwächt. Eine leichte Erholung trauen die Analysten dem Land erst in der zweiten Jahreshälfte zu – vorausgesetzt, der Nahostkonflikt findet eine Lösung. Bis dahin sehen die Experten die offizielle Linie intakt: „Unser Basisszenario geht von einem fortgesetzten Bekenntnis zum Desinflationsprogramm aus.“
Zentralbank setzt auf makroprudenzielle Instrumente
Laut BBVA gestaltet sich der Handlungsspielraum für geldpolitische Lockerungen besonders eng. Zwar sei mit einer Fortsetzung der selektiven Maßnahmen zu rechnen, doch bleibe der allgemeine Politikmix restriktiv. Eine nennenswerte fiskalische Stützung ist unwahrscheinlich. Stattdessen könnte die türkische Zentralbank (TCMB) ihre Strategie anpassen. In dem Report heißt es: „Es besteht die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen, während die Zentralbank zunehmend auf makroprudenzielle Maßnahmen setzt.“
Anzeichen für diese Neuausrichtung sehen die Ökonomen in den jüngsten Zinspausen, neuen Kreditpaketen und gezielten Exporthilfen. Das Ziel der Behörden, das Wachstum um die Drei-Prozent-Marke zu stabilisieren, bleibt weitgehend unangetastet.
Inflationsziel weicht auf 30 Prozent ab
Die Bank verpasst auch der Inflationsprognose einen deutlichen Dämpfer. Nachdem es im April zu einem unerwarteten Preissprung gekommen war, wurde die Schätzung für das Jahresende auf 30 Prozent angehoben. Als treibende Faktoren nennt das Institut anhaltend hohe Energiepreise, eine wachstumsfreundliche Grundhaltung sowie mögliche Zweitrundeneffekte. Vor diesem Hintergrund erwarten die Analysten, dass der Leitzins bis zum Jahresende unverändert bei 37 Prozent verharren wird.
Um die Lira kurzfristig zu stabilisieren, sei mit einem härteren Einsatz makroprudenzieller Instrumente zu rechnen. „Wir erwarten für längere Zeit höhere Realzinsen“, lautet das knappe Fazit der Ökonomen mit Blick auf den angepeilten Wechselkurs.