Die türkische Wirtschaft bekommt die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten immer deutlicher zu spüren. So hat die Forschungsabteilung der spanischen Großbank BBVA ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 spürbar nach unten korrigiert. Anstelle der zuvor erwarteten 4,0 Prozent prognostizieren die Ökonomen der Türkei nun nur noch ein Wirtschaftswachstum von rund 3,0 Prozent.
Als Hauptgrund für die skeptischere Einschätzung nennt „BBVA Research” den anhaltenden Krieg im Nahen Osten, der die wirtschaftliche Aktivität zunehmend belastet. Bereits im zweiten Quartal 2026 dürfte die Konjunktur demnach nur schwach expandieren. Die aktuellen Stimmungsindikatoren deuteten auf eine solche Abkühlung hin, heißt es in dem Bericht. Zusätzlich könnten Brückentage und verlängerte Urlaubszeiten für spürbare Volatilität in den Monatsdaten sorgen.
Frühindikator zeigt Bremsspuren
Ein eigenes Prognosemodell der Bank, das auf die Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Echtzeit abzielt, signalisierte für den Monat Mai ein annualisiertes Wachstum von lediglich etwa 2,0 Prozent. Die Forscher schränkten jedoch ein, dass sich dieser schwache Trend im Juni teilweise wieder umkehren könnte. Für die zweite Jahreshälfte rechnet die BBVA mit Rückenwind durch positive Kalendereffekte.
Außenbilanz belastet Handlungsspielraum
Neben den geopolitischen Hypotheken bereitet auch die makroökonomische Stabilität den Ökonomen Sorgen. Die sich verschlechternde Außenbilanz schränke den Handlungsspielraum für wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen zusehends ein, mahnt die Bank. Auch von der Fiskalpolitik sei kaum zusätzliche Unterstützung zu erwarten, der finanzielle Spielraum bleibe hier eng begrenzt.
Ihre aktuelle Prognose von 3,0 Prozent Wachstum im Jahr 2026 knüpft BBVA Research an eine zentrale Bedingung. Der Nahost-Konflikt muss sich vor Juli beruhigen und die politischen Reaktionen dürfen lediglich selektiv ausfallen. Sollte diese Annahme nicht eintreten, dürfte sich der konjunkturelle Ausblick für die Türkei verschlechtern.