Baugewerbe boomt, Industrie schrumpft – gemischte Signale vom türkischen Arbeitsmarkt

19.05.2026 – 6:30 Uhr

Der türkische Arbeitsmarkt zeigt im März 2026 ein gespaltenes Bild. Während die Beschäftigung im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor kräftig anzog, verzeichnete die Industrie einen deutlichen Dämpfer. Insgesamt stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahresvergleich um 1,8 Prozent.

Wie das Türkische Statistikinstitut (TÜİK) am Donnerstag mitteilte, erhöhte sich die Gesamtzahl der Beschäftigten in den Sektoren Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen von 15,32 Millionen im Vorjahresmonat auf nunmehr 15,6 Millionen.

Besonders dynamisch entwickelte sich die Bauwirtschaft. Hier kletterte die Zahl der Angestellten um starke 6,4 Prozent auf 1,85 Millionen. Auch der kombinierte Bereich Handel und Dienstleistungen legte mit einem Plus von 3,5 Prozent deutlich zu und überschritt die Marke von 9 Millionen Beschäftigten. Innerhalb der Dienstleistungen ragten der Transport- und Lagerbereich mit einem Anstieg von 5,2 Prozent auf 1,33 Millionen Beschäftigte sowie das Gastgewerbe mit einem Plus von 5,0 Prozent auf 1,27 Millionen heraus. Kaum verändert präsentierte sich hingegen der Sektor Information und Kommunikation mit rund 294.300 Erwerbstätigen.

Im Schatten dieses Aufschwungs kämpft die türkische Industrie jedoch mit rückläufigen Zahlen. So sank die Beschäftigung in diesem Sektor im Jahresvergleich um 2,7 Prozent auf 4,74 Millionen. Besonders stark betroffen war das verarbeitende Gewerbe, das einen Rückgang um 3,0 Prozent auf 4,4 Millionen Beschäftigte verzeichnete.

Im direkten Vergleich zum Vormonat verlangsamte sich das Wachstum am Arbeitsmarkt spürbar. Die Gesamtbeschäftigung stieg lediglich um 0,1 Prozent. Auch hier zeigte sich die Schwäche der Industrie: Der Sektor verlor 0,3 Prozent seiner Stellen, während das Baugewerbe um 0,9 Prozent und der Handel- und Dienstleistungssektor um 0,2 Prozent zulegten. Die Daten deuten auf eine strukturelle Verschiebung der Beschäftigungsdynamik hin, die von der heimischen Nachfrage im Service- und Bausektor getragen wird, während die Exportindustrie unter Druck bleibt.