ASELSAN baut NATO-Partnerschaft aus – vom Komponentenlieferanten zum Systempartner

08.07.2026 – 6:30 Uhr

Der türkische Rüstungskonzern ASELSAN hat seine Zusammenarbeit mit der NATO erheblich erweitert und ist mittlerweile in Schlüsselbereichen der Bündnisverteidigung tätig. Wie das Unternehmen mitteilte, reicht das Spektrum heute von der Flugabwehr über digitale Kommunikation bis hin zur biometrischen Überwachung von Fahrzeuginsassen.

Was in den 1990er-Jahren mit der Produktion elektronischer Komponenten für Stinger-Flugabwehrraketen begann, hat sich zu einer umfassenden Technologiepartnerschaft entwickelt. ASELSAN ist inzwischen in Ausschreibungen der NATO Support and Procurement Agency (NSPA) sowie der NATO Communications and Information Agency (NCIA) als Lösungslieferant etabliert. Der erste Kommunikationsvertrag mit der NCIA war laut dem Unternehmen ein bedeutender Schritt für die türkische Verteidigungstechnologie im internationalen Wettbewerb.

Einen aktuellen Erfolg vermeldet ASELSAN im Bereich der Freund-Feind-Erkennung: Nach einem gewonnenen NATO-Tender wurde ein Rahmenvertrag für das mobile Identifikationssystem IDENTIA 4000I unterzeichnet. Die Auslieferungen an Bündnisstaaten sollen in den kommenden Monaten beginnen und könnten künftige Bedarfe der Mitglieder abdecken.

Darüber hinaus zählt ASELSAN zu den fünf Unternehmen, die im Auftrag der NSPA an der künftigen modularen bodengebundenen Luftverteidigungsarchitektur der NATO arbeiten – neben Airbus, Lockheed Martin UK, Raytheon und Thales LAS.

Die Verankerung im Bündnis zeigt sich auch in der Standardisierungsarbeit: So war das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren in mehr als 50 NATO-Arbeitsgruppen vertreten. Bei der diesjährigen Übung CWIX 2025 durchliefen die Gefechtsführungssysteme von ASELSAN erfolgreich Interoperabilitätstests mit Systemen alliierter Partner. Zudem erreichte das Produkt KOCATEPE 100 die Konformität mit dem Federated Mission Networking Spiral 4 bei denen REPMUS-Manövern maritime Operationsfähigkeiten im Fokus standen.

Parallel dazu wächst die industrielle Präsenz in den Mitgliedsstaaten. Mit Tochtergesellschaften in Polen und Rumänien sowie einem Exportvertrag über 410 Millionen Dollar allein in Polen hat ASELSAN in den letzten Jahren bedeutende Auslandsaufträge in den Bereichen Elektronische Kampfführung, Radar und Kommunikation abgeschlossen.

Die Konzerntechnologie kommt indes bereits im unmittelbaren NATO-Umfeld zum Einsatz: Beim derzeitigen Gipfeltreffen in Ankara sichert das System ROADGUARD Schlüsselpositionen. Es nutzt KI-gestützte Sensorik, um Nummernschilder zu identifizieren und eine Gesichtserkennung von Personen in fahrenden Fahrzeugen durchzuführen.