Anzahl der Glücksspielsüchtigen in der Türkei binnen sechs Jahren um das 155-Fache gestiegen

18.01.2026 – 12:00 Uhr

In der Türkei ist ein dramatischer Anstieg von Glücksspielsüchten zu verzeichnen. Wie aktuelle Daten der Beratungsstelle YEDAM zeigen, ist die Zahl der Menschen, die wegen einer Glücksspielsucht professionelle Hilfe suchen, innerhalb von sechs Jahren um das 155-Fache gestiegen. Ausgehend von 37 Fällen im Jahr 2019 schnellte die Zahl der Beratungsgesuche im Jahr 2025 auf 5.748 hoch.

Besonders alarmierend ist das frühe Einstiegsalter. Den Angaben zufolge hatten 34,3 Prozent der Hilfesuchenden bereits vor ihrem 18. Geburtstag Kontakt mit Glücksspiel. Weitere 42,8 Prozent begannen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Somit wurde bei fast jedem dritten Betroffenen die Suchtgefahr bereits im Kindes- oder Jugendalter angelegt.

Die Sucht betrifft hauptsächlich die erwerbstätige Bevölkerung. Rund 80 Prozent der Ratsuchenden sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die Daten widerlegen zudem das Vorurteil, Spielsucht sei ein Problem geringer Bildung. Unter den Hilfesuchenden haben 13 Prozent einen Postgraduiertenabschluss, 11,3 Prozent einen Universitätsabschluss und 11,5 Prozent einen Fachhochschulabschluss.

Der Vorsitzende der Grünen Crescent, Mehmet Dinç, verwies auf den Erfolg therapeutischer Maßnahmen. Acht von zehn Klienten, die regelmäßig an einer Psychotherapie teilnehmen, können sich demnach erfolgreich vom Glücksspiel distanzieren. Die aktuellen Zahlen unterstreichen jedoch die wachsende Dimension dessen, was von Experten als soziale Krise eingestuft wird.