Antalya Tourism Fair 2026: Branche setzt auf Qualität statt Masse

Bilder: DHA
27.10.2026 – 13:00 Uhr

Bei der achten Antalya Tourism Fair treffen sich Tausende Branchenexperten aus dem In- und Ausland. Angesichts wachsender Konkurrenz, steigender Kosten und geopolitischer Krisen fordern die Verantwortlichen mehr Nachhaltigkeit, neue Märkte und Tourismusangebote über die Sommersaison hinaus.

In Antalya hat die achte Ausgabe der internationalen Tourismusmesse Antalya Tourism Fair (ATF) begonnen. Drei Tage lang bringt die Veranstaltung Tausende Fachleute aus der Tourismusbranche zusammen. Nach Angaben des Veranstalters beteiligen sich in diesem Jahr 520 Hotels und Vertreter aus 20 Städten.

ATF-Vorstandschef Selçuk Meral erinnerte an die Anfänge der Messe im Jahr 2019. Seitdem habe sich die Veranstaltung als Treffpunkt für Tourismusvertreter aus der gesamten Türkei etabliert. Das Programm sei in diesem Jahr nochmals erweitert worden.

 

 

„Nicht mehr Touristen, sondern mehr Wertschöpfung“

Die Tourismusbranche stehe weltweit vor einer neuen Wettbewerbsphase, betonte Sezgin Yılmaz, stellvertretender Generaldirektor der İşbank. Entscheidend sei nicht mehr allein, möglichst viele Urlauber anzuziehen. Vielmehr gehe es darum, Dienstleistungen mit höherer Wertschöpfung anzubieten.

Das Jahr 2026 habe die Widerstandsfähigkeit der Branche erneut auf die Probe gestellt. Entwicklungen in der Region, schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und steigende Kosten belasteten die Unternehmen. Die İşbank habe den türkischen Tourismussektor in den vergangenen drei Jahren mit insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar unterstützt. Auch 2027 werde die Bank der Branche zur Seite stehen, kündigte Yılmaz an.

Für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Reisezielen sprach sich Nazmi Pınar, Vertreter der Türkischen Republik Nordzypern in Antalya, aus. Ziel müsse es sein, den Tourismus auf das gesamte Jahr auszuweiten und nachhaltiger zu gestalten. Antalya und Nordzypern seien keine Konkurrenten, sondern könnten ihre Angebote gemeinsam weiterentwickeln.

Antalya will die Saison verlängern

Auch Kaan Kavaloğlu, Vorsitzender des Verbands der touristischen Hoteliers und Betreiber im Mittelmeerraum (AKTOB), hob die Bedeutung der Messe für Antalya hervor. Die Veranstaltung habe dazu beigetragen, das Potenzial der Stadt als Standort für Fachmessen zu erschließen.

Der Erfolg einer Messe zeige sich allerdings nicht allein an den Besucherzahlen, sondern vor allem an den Ergebnissen: Wie viele Gespräche führten zu Geschäftsabschlüssen? Wie viele Unternehmen erschlossen neue Märkte? Und wie viele Teilnehmer planten bereits ihren nächsten Besuch in Antalya? An diesen Kriterien müsse sich der langfristige Nutzen der Veranstaltung messen lassen.

Davut Günaydın, stellvertretender Vorsitzender des türkischen Reisebüroverbands TÜRSAB, verwies auf die schwierigen Rahmenbedingungen durch die Kriege in Russland, der Ukraine und im Iran. Alle drei Länder seien wichtige Herkunftsmärkte für den türkischen Tourismus. Trotz der Herausforderungen müsse die Branche zuversichtlich bleiben.

Günaydın warnte zugleich davor, die Rolle der Reisebüros zugunsten großer Online-Reiseplattformen zu vernachlässigen. Er sprach sich gegen einen geplanten Gesetzentwurf zur Regulierung sogenannter Online Travel Agencies (OTAs) aus, da dieser dem türkischen Tourismus seiner Ansicht nach schaden könnte.

Mehr Kultur- und Dorftourismus

Büşra Özdemir, stellvertretende Bürgermeisterin der Großstadt Antalya, forderte ebenfalls eine breitere Aufstellung des Tourismus. Urlaub bedeute längst nicht mehr nur Meer, Sonne und Hotelaufenthalt. Viele Reisende wollten auch das lokale Leben und die Kultur kennenlernen.

Deshalb sollten neben den bekannten Ferienorten auch die Dörfer und Landkreise der Provinz stärker in touristische Angebote eingebunden werden. Gleichzeitig müsse der Erfolg des Tourismus daran gemessen werden, ob er den Wohlstand der einheimischen Bevölkerung verbessert – und nicht nur daran, wie viele Gäste anreisen.

Antalya zählt 110 Millionen Übernachtungen

Antalyas Gouverneur Hulusi Şahin betonte, dass die Stadt trotz zahlreicher Herausforderungen ihre starke Position behauptet habe. Nach seinen Angaben verzeichnet Antalya jährlich rund 110 Millionen Übernachtungen. Das entspricht etwa 44 Prozent aller Übernachtungen in der Türkei.

Um diese Position langfristig zu sichern, müssten öffentliche Einrichtungen und Unternehmen enger zusammenarbeiten. Die Türkei verfüge über die Voraussetzungen, sowohl Städtereisen als auch Bade- und Kulturtourismus erfolgreich zu entwickeln.

„Wir dürfen nicht alle Eier in einen Korb legen“, lautete Şahins zentrale Botschaft. Im Tourismus könnten sich die Rahmenbedingungen innerhalb kürzester Zeit verändern. Deshalb sei es wichtig, verschiedene Reiseformen und Märkte zu erschließen.

Die Antalya Tourism Fair habe sich in acht Jahren zu einer bedeutenden Plattform für die Mittelmeerregion und den internationalen Tourismus entwickelt, sagte Şahin. Die Messe soll dazu beitragen, neue Kontakte zu knüpfen und die Zusammenarbeit innerhalb der Branche zu stärken.