Anleger suchen nach Alternativen: Türkischer Immobilienmarkt verzeichnet Zulauf aus Dubai

16.04.2026 – 6:35 Uhr

Die eskalierenden Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran führen zu einer spürbaren tektonischen Verschiebung auf dem internationalen Immobilienmarkt. Während Dubai, der ehemalige Anlegermagnet, einen massiven Einbruch der Verkaufszahlen verzeichnet, positioniert sich die Türkei zunehmend als strategische Alternative und sicherer Hafen für globales Kapital.

Wie aus aktuellen Daten des Analysehauses DXB Interact hervorgeht, sind die Immobilienverkäufe im Emirat Dubai nach Ausbruch des jüngsten geopolitischen Konflikts regelrecht eingebrochen. Wurden zwischen dem 2. Februar und dem 1. März noch 17.027 Einheiten veräußert, sank die Zahl in den darauffolgenden vier Wochen (2. bis 29. März) auf lediglich 11.828 Transaktionen. Dies entspricht einem Rückgang von 30,5 Prozent. Noch deutlicher fiel der Einbruch beim Transaktionsvolumen aus: Dieses schrumpfte im selben Zeitraum um 36 Prozent von 16,53 Milliarden US-Dollar auf 10,58 Milliarden Dollar.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich die Abkühlung auf dem Wüstenmarkt fortsetzen wird, bis eine tragfähige Waffenruhe das Vertrauen der Investoren wiederherstellt. Haitham Ahmet Alamarioğlu, CEO von Level Immigration & Properties, erläuterte, dass der Glanz Dubais derzeit verblasse. Investoren würden zunehmend kritische Fragen zur Ausstiegsstrategie stellen und sich nach einem verlässlichen „Plan B” umsehen. „Historisch gesehen benötigte Dubai nach geopolitischen Schocks zwölf bis 18 Monate zur Erholung. Diesmal könnte die Durststrecke sogar länger dauern“, warnte Alamarioğlu.

Neben Griechenland und Panama identifizierte der Experte die Türkei als einen der drei Hauptprofiteure dieser Fluchtbewegung. Das türkische „Citizenship by Investment“-Programm erweise sich vor allem für Käufer aus dem Iran und der Golfregion als überaus attraktiv. Alamarioğlu betonte, dass die Kombination aus visafreiem Reisen, kultureller Nähe und der Möglichkeit, durch Immobilienerwerb eine vollwertige Staatsbürgerschaft zu erhalten, die Türkei zu einer kalkulierbaren Option macht. „Für die fast fünf Millionen im Golf lebenden Iraner ist die Türkei nicht nur ein Anlageziel, sondern ein Ort, um ein nachhaltiges Leben aufzubauen“, so Alamarioğlu.

Während Griechenland mit seinem Golden-Visa-Programm einen durch die EU geschützten Aufenthaltstitel und eine langfristige Perspektive auf einen Pass bietet und Panama mit einer innerhalb von 30 Tagen erteilten Aufenthaltsgenehmigung lockt, sticht die Türkei laut dem Experten vor allem durch die Schnelligkeit der Einbürgerung hervor.

Özden Çimen, CEO von Parcel Estates, ergänzte, dass Dubai in puncto Eigentumsrechte und Finanzierung zwar wettbewerbsfähig bleibe, Anleger jedoch zunehmend auf geografische Diversifizierung setzten. Städte wie London, Lissabon, Istanbul, Miami und Barcelona rückten demnach zunehmend als alternative Portfoliodestinationen in den Fokus. Çimen unterstrich, dass diese Entwicklung keinesfalls einer Panikverkaufswelle gleiche, sondern vielmehr Ausdruck einer rationalen Strategie zur Risikostreuung sei.