Die Istanbuler Börse steht vor einer neuen Welle von Börsengängen. Nachdem die türkische Kapitalmarktbehörde (SPK) in der vergangenen Woche fünf weiteren Unternehmen grünes Licht gegeben hat, richten die Anleger ihren Fokus nun auf die anstehenden Zeichnungsfristen. Das Gesamtvolumen der neu genehmigten Emissionen beläuft sich auf 12,2 Milliarden Türkische Lira (rund 262 Millionen US-Dollar).
Mit den jüngsten Bescheiden hat die Regulierungsbehörde im ersten Halbjahr 2026 bereits 22 Börsengänge bewilligt. Damit wurde die Gesamtzahl der im gesamten Vorjahr tatsächlich durchgeführten Erstnotierungen bereits jetzt übertroffen. 2025 hatten lediglich 18 Unternehmen den Sprung auf das Parkett geschafft und dabei ein Emissionsvolumen von 45 Milliarden Lira erzielt.
Laut aktuellen SPK-Daten summieren sich die erwarteten Erlöse aus den 22 genehmigten IPOs der ersten sechs Monate auf 39,3 Milliarden Lira. Marktteilnehmer beobachten nun genau die Vorbereitungen der Unternehmen, die in Kürze mit der Zeichnung ihrer Aktien beginnen wollen.
Konkret genehmigte die Behörde die Anträge der Unternehmen Orzaks İlaç, Ekim Turizm, Soho Giyim, İsvea Seramik und Golda Gıda. Für die Investoren dürfte damit eine geschäftige Woche im Hinblick auf die Bookbuilding-Verfahren und die Nachfragebündelung bevorstehen.
Aktien und Börsengänge gelten in der Türkei seit Jahren als prominente Anlagealternative für Anleger, die in einem inflationären Umfeld reale Wertsicherung suchen. Die hohe Bedeutung des Kapitalmarktes spiegelt sich in der Marktstruktur wider: Nahezu ein Drittel der derzeit an der Borsa Istanbul gehandelten Unternehmen ist erst in den vergangenen sechs Jahren an die Börse gegangen.
Trotz der anhaltenden Attraktivität gibt es jedoch auch Risiken für Emittenten. Öffentliche Angebote, die die Renditeerwartungen der Anleger nicht erfüllen, können auf verhaltene Nachfrage stoßen. In solchen Fällen sehen sich Unternehmen gelegentlich gezwungen, ihre Pläne bis zu einer Verbesserung des Marktumfelds auf Eis zu legen. Dies deutet auf eine zunehmende Selektivität der Anleger hin: Nachdem das Land 2023 einen Rekord von 54 Börsengängen verzeichnete, ging die Zahl 2024 auf 34 und 2025 weiter auf 18 zurück.
Der Andrang auf das Parkett ist dennoch ungebrochen. Laut der SPK warten derzeit 142 Unternehmen auf eine regulatorische Genehmigung für ihren Börsengang. Als Hauptmotive für das starke Interesse gelten der Wunsch nach Entschuldung sowie die Finanzierung neuer Investitionsprojekte.