Die Türkei hat eine Energiestrategie mit öffentlichen und privaten Investitionen von insgesamt 500 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2040 vorgestellt. Ziel ist es, die Importabhängigkeit des Landes zu verringern und Strom in der gesamten Wirtschaft effizienter zu nutzen. Das Programm „Nationale Energie 2040“ wurde am 5. November in Istanbul von Energie- und Rohstoffminister Alparslan Bayraktar präsentiert, bevor die COP31-Klimakonferenz in Antalya begann. „Unser Ziel ist es, die Türkei bis 2040 energieunabhängig zu machen”, sagte Bayraktar.
Der Plan setzt auf einen höheren Stromanteil in den Bereichen Verkehr, Industrie und Gebäude sowie auf Investitionen in erneuerbare Energien, Kernkraft, Öl- und Gasförderung, Bergbau und Energieeffizienz. Bis 2040 soll der Elektrifizierungsgrad 36 Prozent erreichen. Elektroautos, Rechenzentren, die Produktion von grünem Wasserstoff und Wärmepumpen dürften die Stromnachfrage zusätzlich erhöhen.
Die installierte Stromerzeugungskapazität soll von 123.000 Megawatt im Jahr 2025 auf 281.000 Megawatt bis 2040 mehr als verdoppelt werden. Dafür veranschlagt die Regierung rund 190 Milliarden Dollar. Erneuerbare Energien sollen dann 77 Prozent der Kapazität stellen, derzeit sind es 63 Prozent. Das Ziel für Wind- und Solarkraft liegt bei 175.000 Megawatt, darunter 6.000 Megawatt Offshore-Windkraft. Jährlich sind Ausschreibungen für mindestens 2.000 Megawatt geplant, die durch Kapazitätssteigerungen, Anlagenmodernisierungen und zusätzliche Erzeugungstechnologien an bestehenden Standorten ergänzt werden sollen.
Für die Übertragungs- und Verteilnetze sind laut dem Minister 116 Milliarden Dollar vorgesehen. Bayraktar forderte zudem bessere Servicestandards in der Stromverteilung, da viele Betriebslizenzen im Jahr 2036 auslaufen.
Im Verkehr rechnet er bis 2040 mit 20 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeugen. Das entspräche fast der Hälfte der erwarteten 41 Millionen Fahrzeuge im Land. Bei der Kernkraft ist eine Kapazität von rund 10.000 Megawatt vorgesehen, darunter das geplante Akkuyu-Kraftwerk mit 4.800 Megawatt. Atomstrom soll dann elf Prozent des Strombedarfs decken und den Bedarf an Strom aus importiertem Erdgas verringern.
Parallel zur Elektrifizierung sollen die Investitionen in Öl und Gas weiterlaufen. Bayraktar nannte ein kombiniertes Förderziel von 1,7 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag im In- und Ausland. Der Ölverbrauch soll durch den Einsatz von mehr Elektroautos sinken und die Gasnachfrage durch Veränderungen bei der Stromerzeugung und Heizung begrenzt werden. Nach Schätzungen des Ministers schafft das Programm 108.000 direkte Arbeitsplätze. Unter Einbeziehung indirekter Effekte ergäben sich Beschäftigungsmöglichkeiten für rund 250.000 Familien.