Türkei: Mysteriöse Tempelstadt auf 2.500 Metern Höhe gibt neue Rätsel auf

Bilder: DHA
01.06.2026 – 15:00 Uhr

(DHA) Kayseri – Nach der Schneeschmelze sind auf dem 2.509 Meter hohen Lifos-Berg nördlich des Erciyes-Gebirges die Überreste einer mutmaßlichen antiken Tempelstadt wieder sichtbar geworden. Historiker vermuten, dass die Anlage einst ein bedeutendes religiöses Zentrum für Anhänger des Paganismus gewesen sein könnte.

 

 

Die Ruinen befinden sich auf dem Gipfel des Lifos-Berges im Landkreis Hacılar in der Provinz Kayseri. Drohnenaufnahmen zeigen die Überreste einer gewaltigen Befestigungsanlage sowie zahlreiche Siedlungsstrukturen innerhalb der Mauern. Das von einer Mauer umschlossene Areal umfasst rund 74.300 Quadratmeter.

Der Historiker und Autor Halit Erkiletlioğlu bezeichnet den Ort als einen der geheimnisvollsten Plätze der Region. Seiner Einschätzung nach könnte es sich um eine Tempelstadt gehandelt haben, die möglicherweise dem Gott Zeus gewidmet war. Gläubige hätten den Ort als Pilgerstätte besucht, um dort religiöse Rituale zu vollziehen und sich von ihren Sünden zu reinigen.

„Wie der Vatikan heute ein Staat im Staat ist, könnte auch diese Tempelstadt eine ähnliche Sonderstellung besessen haben“, erklärte Erkiletlioğlu. Die Anlage liege auf einer markanten Anhöhe mit Blick über die Ebene von Kayseri und sei nur über einen schmalen Pfad von Süden aus erreichbar.

Besonders auffällig ist die nahezu einen Kilometer lange Befestigungsmauer, die ohne Mörtel errichtet wurde. Experten schätzen ihre ursprüngliche Höhe auf drei bis vier Meter. Innerhalb der Mauern befinden sich zahlreiche Gebäudereste sowie vier Zisternen, die auf eine dauerhafte Besiedlung hindeuten.

Nach Angaben des Historikers wurde die Anlage bislang kaum wissenschaftlich untersucht. Er fordert umfassende archäologische Ausgrabungen, um die Geschichte des Ortes zu erforschen und seine Bedeutung für die Region zu klären.

Gleichzeitig warnt Erkiletlioğlu vor der zunehmenden Zerstörung durch illegale Schatzsucher. Die freigelegten Mauern, Gebäudereste und Wasserzisternen würden derzeit unkontrolliert beschädigt. Vorrang habe daher der Schutz der Anlage, bevor archäologische Untersuchungen beginnen könnten.

Mit der Schneeschmelze sind die Strukturen erstmals in diesem Jahr wieder deutlich sichtbar geworden und lenken erneut die Aufmerksamkeit auf eines der rätselhaftesten historischen Zeugnisse Zentralanatoliens.