DIYARBAKIR – Ein neues Solarboot bringt Touristen auf dem Atatürk-Stausee im Südosten der Türkei zu versunkenen Dörfern, Schluchten und Wasserfällen. Das elektrisch betriebene Boot bietet Platz für bis zu 50 Passagiere und ermöglicht emissionsfreie Ausflüge auf dem Euphrat.
Das Schiff startet im ländlichen Ort Saltepe im Bezirk Çermik der Provinz Diyarbakır. Von dort führt die Route über den Stausee und verbindet Ausflugsziele in den Provinzen Diyarbakır, Adıyaman, Şanlıurfa und Malatya.
Çermik zieht das ganze Jahr über Besucher an. Zu den touristischen Attraktionen gehören heiße Quellen, die an Feenkamine erinnernden Felsformationen am Gelincik-Berg, die Schlucht des Sinek-Bachs sowie die Wasserfälle Yabanardı und Şeyhandede.
Abkühlung auf dem Wasser
Während die Temperaturen in der Region im Sommer regelmäßig über 40 Grad Celsius steigen, suchen viele Menschen Abkühlung auf dem Wasser.
Bootsbetreiber Sinan Kutlu betont den umweltfreundlichen Charakter des neuen Angebots: „Unser Boot ist umweltfreundlich. Wir verwenden keine fossilen Brennstoffe und verschmutzen das Wasser nicht. Außerdem verursacht es keinen Lärm.“
Die Touren führen unter anderem über ein versunkenes Dorf, das heute unter dem Wasser des Stausees liegt. Außerdem können Besucher Schluchten erkunden und einen Wasserfall an der Grenze zur Provinz Adıyaman erreichen.
„Ein verstecktes Paradies“
Auch Besucher zeigen sich begeistert von der ungewöhnlichen Landschaft. „Man spürt die Sommerhitze am eigenen Körper, aber hier auf dem Wasser herrscht dort, wo unsere vier Provinzen zusammentreffen, ein wunderschönes Klima“, sagte Yakup Dağeri aus Adıyaman.
Ein anderer Besucher, Onur Çiçek, bezeichnete die Gegend als „verstecktes Paradies“. Obwohl er sieben Jahre in Diyarbakır gelebt habe, habe er von diesem Ort bislang nichts gewusst. Gemeinsam mit Freunden habe er den Wasserfall und die versunkene Siedlung besucht.
Historische Dörfer unter Wasser
Der am Euphrat errichtete Atatürk-Staudamm bildet den größten künstlichen See der Türkei. Der riesige Stausee veränderte die Landschaft der Region grundlegend. Zahlreiche historische Dörfer verschwanden mit dem Aufstauen des Wassers unter der Oberfläche.
Heute werden die überfluteten Siedlungen und die spektakuläre Landschaft zunehmend für den Wassertourismus genutzt. Das neue Solarboot soll dabei Naturerlebnis und nachhaltigen Tourismus miteinander verbinden.