Minister Ersoy will Tourismus im Osten stärken: Fünf Städte sollen zusammenarbeiten

04.09.2026 – 19:00 Uhr

ELAZIĞ – Die Türkei will das touristische Potenzial im Osten und Südosten des Landes stärker bündeln. Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy erklärte bei einem regionalen Tourismus-Workshop in Elazığ, dass Elazığ, Adıyaman, Bingöl, Tunceli und Malatya künftig nicht isoliert, sondern als zusammenhängende Tourismusregion vermarktet werden sollen.

„Wir müssen die Kraft der Zusammenarbeit im Tourismus nutzen“, sagte Ersoy bei der Eröffnung des Workshops. Es reiche heute nicht mehr aus, einzelne Reiseziele zu bewerben. Stattdessen sollten Besuchern komplette Reiserouten angeboten werden, die Geschichte, Kultur, Gastronomie und Natur miteinander verbinden.

„Wir müssen den Besuchern nicht nur Orte zeigen, die sie besuchen können, sondern Routen, denen sie folgen können – und nicht nur Sehenswürdigkeiten, die sie sehen, sondern Geschichten, die sie erleben“, erklärte der Minister.

Tourismus in allen 81 Provinzen – das ganze Jahr

Ersoy betonte, dass die Türkei ihren Tourismus auf alle 81 Provinzen und auf zwölf Monate im Jahr ausweiten wolle. Gleichzeitig solle die Vielfalt des touristischen Angebots erhöht, die Aufenthaltsdauer der Besucher verlängert und ein größerer Teil der wirtschaftlichen und sozialen Wertschöpfung in den Regionen gehalten werden.

Gerade die fünf am Workshop beteiligten Provinzen verfügten über sehr unterschiedliche, sich jedoch ergänzende touristische Angebote.

Adıyaman etwa könne mit dem Nemrut Dağı, der antiken Stadt Perre und der Cendere-Brücke mit bedeutendem historischen und kulturellen Erbe aufwarten.

Malatya verfügt mit dem zum UNESCO-Welterbe gehörenden Arslantepe-Hügel, den Stadtmauern von Alt-Malatya, regionaler Gastronomie, Natur und lokaler Kultur ebenfalls über großes touristisches Potenzial.

Elazığ wiederum punktet mit der historischen Stadt Harput, die auf der UNESCO-Welterbe-Vorschlagsliste steht, dem Hazar-See, der Buzluk-Höhle, einer traditionsreichen Küche und einem reichen kulturellen Erbe.

Tunceli soll insbesondere mit dem Munzur-Tal-Nationalpark, den Quellen von Ovacık und seinen Möglichkeiten für Outdoor-Tourismus stärker in den Fokus rücken.

Bingöl bietet unter anderem die Schwimmenden Inseln, das Skizentrum Hesarek, Thermalquellen und Hochlandlandschaften. Nach Einschätzung des Ministers besitzt die Provinz darüber hinaus zahlreiche bislang wenig bekannte touristische Attraktionen.

130 Hotels mit mehr als 11.000 Betten

In den fünf Provinzen gibt es derzeit insgesamt 130 Beherbergungsbetriebe mit 11.222 Betten, erklärte Ersoy.

Entscheidend sei jedoch nicht allein der Ausbau der Bettenkapazität. Vielmehr müssten die vorhandenen touristischen Angebote professionell zu Produkten entwickelt und miteinander verknüpft werden. Dadurch könnten Besucher länger in der Region bleiben und die wirtschaftliche Wertschöpfung des Tourismus auf ein größeres Gebiet verteilt werden.

Neben Unterkünften müssten deshalb auch Verkehrsanbindung, Gastronomie, Infrastruktur, Landschaftsgestaltung, Schutz des kulturellen Erbes, qualifizierte Arbeitskräfte, Destinationsmanagement, Werbung und das Besuchererlebnis gemeinsam betrachtet werden.

Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft an einem Tisch

Ersoy betonte außerdem, dass die Entwicklung des Tourismus nicht allein Aufgabe der Zentralregierung sein könne. Provinzverwaltungen, Kommunen, Universitäten, Entwicklungsagenturen, Nichtregierungsorganisationen und Vertreter der lokalen Wirtschaft müssten gemeinsam an der Entwicklung der Regionen arbeiten.

Im Rahmen des vom Ministerium gestarteten Programms zur Förderung und Entwicklung der Provinzen wurden daher auch in den fünf Städten entsprechende Gremien eingerichtet. Unter der Koordination der türkischen Tourismusförderagentur TGA sollen dort Vertreter aus öffentlichem und privatem Sektor, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

Türkei wirbt in mehr als 200 Ländern

Auch bei der internationalen Vermarktung will die Türkei die weniger bekannten Regionen stärker berücksichtigen. Nach Angaben Ersoys führt die Türkiye Tourism Promotion and Development Agency seit ihrer Gründung 2019 Werbe-, PR- und Marketingaktivitäten in mehr als 200 Ländern durch.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 habe die Türkei 25,8 Millionen Besucher empfangen und 25,7 Milliarden US-Dollar Tourismuseinnahmen erzielt.

Ersoy betonte, dass sich die türkische Tourismusstrategie nicht allein an Besucherzahlen und Einnahmen messen lasse. Historische Stätten, archäologische Schätze, Gastronomie, Natur, religiöse Zentren, Hochland, Seen, Berge und traditionelle Lebensformen böten ein enormes Spektrum.

Mehr internationale Aufmerksamkeit für fünf Provinzen

Die internationale Marketingkraft der TGA soll künftig auch genutzt werden, um die touristischen Schätze von Elazığ, Adıyaman, Bingöl, Tunceli und Malatya bekannter zu machen.

Geplant seien unter anderem digitale Kampagnen, Social-Media-Inhalte, internationale PR-Aktivitäten und Kooperationen mit globalen Medien. Auch über die GoTürkiye-Plattformen und eigene Social-Media-Kanäle der Städte sollen die Regionen stärker beworben werden.

Laut Ersoy haben Kooperationen mit internationalen Medien wie CNN International, Euronews, BBC International und Al Jazeera bereits zur internationalen Vermarktung touristischer Werte in Ost- und Südostanatolien beigetragen.

Auch sogenannte Mini-Serien spielen in der Strategie eine Rolle. Seit Juni 2025 seien insgesamt acht solcher Produktionen veröffentlicht worden. Sie hätten mehr als 9 Milliarden Impressionen und 5,5 Milliarden Aufrufe erzielt. Eine im Juli veröffentlichte Serie widmet sich der Region Südostanatolien, eine weitere über Ostanatolien ist in Planung.

„Unsere Städte sind keine Konkurrenten“

Ersoy machte deutlich, dass die fünf Provinzen nicht gegeneinander um Touristen konkurrieren sollen.

„Wir sehen unsere Städte nicht als Konkurrenten, sondern als Reiseziele, die sich gegenseitig stärken“, sagte der Minister.

Wenn dies gelinge, werde nicht nur die Zahl der Besucher steigen. Tourismus könne dann zu einem stärkeren Wirtschaftsfaktor für die Städte, zu einer neuen Beschäftigungsperspektive für junge Menschen und zu einem zusätzlichen Markt für lokale Produzenten werden. Gleichzeitig könne er zur nachhaltigen Finanzierung des Schutzes des kulturellen Erbes beitragen.

Ersoy zeigte sich überzeugt, dass die fünf Provinzen mit einer gemeinsamen Strategie zu einem der neuen touristischen Anziehungspunkte der Türkei werden könnten.