(DHA) In der osttürkischen Provinz Ağrı sind die diesjährigen Untersuchungen an einer schiffsförmigen geologischen Formation abgeschlossen worden, die von einigen Forschern mit der biblischen Arche Noah in Verbindung gebracht wird. Bei Bohrungen wurden durchgehend Bodenproben entnommen, während Radarmessungen Auffälligkeiten unterhalb der Oberfläche zeigten. Ob es sich bei der Formation um eine natürliche Struktur oder um ein von Menschen geschaffenes Bauwerk handelt, ist jedoch weiterhin offen.
Das Forschungsprojekt wird von der Sivas Cumhuriyet Universität geleitet. Rund 20 Wissenschaftler aus fünf Ländern waren an den etwa 90 Tage dauernden Untersuchungen zwischen den Dörfern Telçeker und Üzengili im Landkreis Doğubayazıt beteiligt.

Rund 1.000 Bodenproben untersucht
Die Forscher erstellten zunächst mithilfe von Drohnen ein aktuelles 3D-Modell des Geländes. Anschließend wurde die Formation mit einem modernen Radarsystem untersucht. An verschiedenen Stellen entnahmen die Wissenschaftler rund 1.000 Bodenproben, die nun im Labor analysiert werden. Zudem wurden erstmals im Rahmen des Projekts umfangreiche Kernbohrungen durchgeführt.
Andrew Jones, stellvertretender Leiter des Forschungsteams, bezeichnete als eine der wichtigsten Erkenntnisse der diesjährigen Arbeiten, dass die Formation offenbar nicht aus einem einzigen massiven Felsblock besteht.
„Die größte Erkenntnis aus den Bohrungen ist, dass die Struktur vollständig aus Erde besteht“, sagte Jones. Zwar gebe es in dem Gebiet einige größere Felsblöcke, die Bohrmaschine habe jedoch kontinuierlich Bodenproben gefördert.
Einige Proben enthielten laut Jones tief unter der Oberfläche eine stark angereicherte, organische und sehr dunkle Erdschicht. Nun soll untersucht werden, ob diese möglicherweise auf verrottetes Holz oder menschliche Aktivitäten zurückgeht.
Radar zeigt Auffälligkeiten
Auch die im August durchgeführten Radarmessungen lieferten laut Jones interessante Ergebnisse. Unterhalb der Oberfläche seien mehrere sogenannte Anomalien festgestellt worden.
Diese könnten auf natürliche Strukturen, aber möglicherweise auch auf Objekte oder Strukturen hindeuten, die nicht natürlichen Ursprungs sind. Ein abschließender Bericht über die Radardaten liegt allerdings noch nicht vor.
„Diese Daten liefern noch kein endgültiges Ergebnis“, betonte Jones. Die Formation könne sowohl natürlichen Ursprungs sein als auch von Menschen geschaffen worden sein. Genau das solle nun mit wissenschaftlichen Methoden untersucht werden.

Erstmals wurde unter der Oberfläche gebohrt
Die schiffsförmige Formation wurde am 11. September 1959 vom türkischen Vermessungsingenieur und Hauptmann İlhan Durupınar entdeckt, als er mit einem Flugzeug der türkischen Streitkräfte bei der Kartierung Ostanatoliens unterwegs war.
Seitdem haben zahlreiche türkische und ausländische Forscher die Formation untersucht. Die bisherigen Arbeiten konzentrierten sich jedoch überwiegend auf die auffällige Form an der Oberfläche.
Das aktuelle Projekt erhielt erstmals eine Genehmigung, um auch unterhalb der Formation Untersuchungen durchzuführen. Mit den Kernbohrungen wollten die Wissenschaftler klären, was sich in größerer Tiefe befindet.
Abschlussbericht für Frühjahr 2027 geplant
Die Wissenschaftler wollen nun die Ergebnisse der Radarmessungen mit den Laboranalysen der Bodenproben zusammenführen. Der endgültige Forschungsbericht soll nach Angaben von Jones voraussichtlich im April oder Mai 2027 fertiggestellt werden.
Jones warnte zugleich davor, bereits jetzt von einer Entdeckung der Arche Noah zu sprechen. In sozialen Medien und einigen Medienberichten seien zuletzt Behauptungen verbreitet worden, die durch die bisherigen Forschungsergebnisse nicht belegt seien.
Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Jones. Erst nach Abschluss der Laborarbeiten und der Auswertung aller Daten könne eine wissenschaftlich belastbare Aussage getroffen werden.
Ob die schiffsförmige Formation tatsächlich mit der Arche Noah in Verbindung steht, bleibt damit weiterhin ungeklärt.