In einer Hochgebirgsregion im Südosten der Türkei sorgt eine 24-jährige Hebamme auch dann für die medizinische Grundversorgung, wenn die Straßen unpassierbar sind. In den Wintermonaten erreichen die Schneehöhen in den Dörfern und Weilersiedlungen teils mehr als 1,5 Meter. Dennoch setzt Aysel Daşçi ihre Arbeit fort – notfalls zu Fuß.
Daşçı arbeitet seit zwei Jahren im Gesundheitsstützpunkt des rund 40 Kilometer vom Zentrum des Landkreises Yüksekova entfernten Dorfes Ortaç. Ihr Einsatzgebiet umfasst zwei Dörfer und sechs abgelegene Mezren auf etwa 2.041 Metern Höhe. Insgesamt betreut sie rund 1.500 Menschen. Die Wege dorthin führen über bergiges Gelände und sind im Winter häufig vollständig gesperrt.
Trotz dieser widrigen Bedingungen organisiert die Hebamme regelmäßige Vorsorge- und Kontrolltermine. Dazu zählen die Untersuchung von Schwangeren, die Betreuung von Neugeborenen und Kindern, Impfungen sowie Hausbesuche bei älteren und bettlägerigen Patientinnen und Patienten. Auch präventive Angebote wie Blutdruck- und Blutzuckermessungen sowie Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Frauen gehören zu ihrem Aufgabenbereich.
Das Ziel ihrer Arbeit sei es, Krankheiten möglichst früh zu erkennen und durch Vorsorge zu verhindern, sagt Daşçi. Dabei habe die kontinuierliche Begleitung von Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft ebenso Priorität wie der Schutz von Säuglingen und Kindern durch Impfprogramme. Unterstützt wird sie nach eigenen Angaben durch die Gesundheitsbehörden der Provinz.
In Zeiten starken Schneefalls muss die junge Fachkraft lange Strecken zu Fuß zurücklegen. Wenn Fahrzeuge nicht mehr weiterkommen, geht sie zu Fuß zu den Häusern der Menschen. Sie betont, dass die medizinische Versorgung auch unter extremen klimatischen Bedingungen nicht unterbrochen werden solle.
In der Bevölkerung stößt dieses Engagement auf große Anerkennung. Dorfbewohner berichten, dass sie jederzeit erreichbar sei und unabhängig von Tageszeit oder Wetterlage Hilfe leiste. Für viele ist die Hebamme längst mehr als eine medizinische Fachkraft – sie ist ein fester Bestandteil des Dorflebens geworden.